Das Begegnungszentrum „Von Hand zu Hand“ der Diakonie Meerbusch nahm Ende Oktober 2015 seinen Betrieb auf. Unter dem Namen „Pappkarton“ dient es bis heute als Anlaufstelle für Geflüchtete, wobei der Name noch aus einer Zeit stammt, als das Gebäude provisorisch und als Ergänzungsbau der benachbarten Grundschule errichtet worden war. Provisorisch waren auch die Anfangstage in der Arbeit mit Geflüchteten, erinnert sich Ingeborg Horstmann-Rabba.
Die pensionierte Lehrerin und ehemalige Leiterin des Diakonieausschusses der Gemeinde gehörte zu den ersten, die sich dort ehrenamtlich engagierten: „In dem Moment, wo die Geflüchteten quasi vor der Haustür einquartiert wurden, war das für mich naheliegend, dass ich mich da engagiere. Ganz am Anfang war´s natürlich ein sehr großes Chaos. Das Haus hatte zwei Räumlichkeiten. Und jetzt wollten wir da eine Kleiderkammer und ein Zentrum für Begegnung schaffen. Weil wir gedacht haben, was die Menschen brauchen, ist halt ein Schlafplatz, Kleidung, Essen und Begegnung.“
Einen Schlafplatz erhielten die ankommenden Geflüchteten damals im benachbarten Gymnasium – in der Spitze waren das bis zu 400 Menschen. Doch Kleidung und Schuhe waren Mangelware. Doch ein Spendenaufruf an die heimische Bevölkerung brachte schnell Abhilfe. Bis zu 50 Geflüchtete standen täglich vor der Tür der Kleiderkammer im „Pappkarton“. Und drinnen kümmerten sich anfangs rund 100 Ehrenamtliche darum, dass die Menschen eine Anlaufstelle hatten. Bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen beantworteten sie Fragen aller Art, gaben Tipps und unterstützten die Neuankömmlinge beim Zurechtfinden und Eingewöhnen in Meerbusch
Inzwischen hat sich der „Pappkarton“ weiterentwickelt. Zwar steht das Haus nach wie vor Geflüchteten mit Rat und Tat zur Seite, unterstützt sie mit Deutschunterricht und hilft im Kontakt zu Ämtern und Behörden. Daneben ist der „Pappkarton“ aber vor allem auch ein anerkannter Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Kulturkreise – eine Heimat für alle, die in Meerbusch und Umgebung zu Hause sind; sei es seit Jahrzehnten, seit kurzem oder nur vorübergehend. Das Café bietet gegen Spende selbstgebackenen Kuchen, Tee, Kaffee und Wasser, und nach wie vor gibt es einen Kleiderladen mit einem reichhaltigen Angebot. Noch immer sind rund 40 Ehrenamtliche in der Arbeit beim „Pappkarton“ engagiert.
Der Ansturm und das Chaos der Anfangszeit ist vorbei, der „Pappkarton“ in ruhigem Fahrwasser angekommen und das Angebot vielfältiger, sagt Ingeborg Horstmann-Rabba: „Es ist viel mehr geworden als zu Anfang. Es sind ganz viele Aktionen gelaufen, wo die Geflüchteten selbst sich auch auf ihre Art bedankt haben – zum Beispiel mit Aufräum- oder Bauaktionen. Besonders gefallen haben mir auch die »Weltreisen«. Wir haben die Länder der Menschen, die zu uns gekommen sind, in den Fokus genommen, haben mit ihnen zusammen gekocht und gegessen und haben auf diese Art und Weise auch einen intensiven Austausch gehabt.“
Viele, die früher als Geflüchtete im „Pappkarton“ betreut wurden, haben inzwischen Arbeit gefunden, etliche auch eine Ausbildung gemacht. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann, findet Ingeborg Horstmann-Rabba: „Wenn ich höre von jemand, der gerade mal zwei Jahre hier ist und der macht jetzt schon seine B1-Prüfung und sagt mir, dass er am liebsten jeden Tag kommen würde – ja, das macht mich stolz.“

