INFO: Heiliges Jahr 2025 in Rom: Papst Franziskus eröffnete am 24. Dezember 2024 die „Heilige Pforte“ am Petersdom und damit das große Festjahr, das nur alle 25 Jahre stattfindet. Das Heilige Jahr ist ein Jubiläumsjahr in der katholischen Kirche, biblisches Vorbild ist das Jubeljahr (Levitikus 25), ein alle 50 Jahre begangenes Erlassjahr. Zentrale Elemente der Jubiläumsjahre sind eine Rom-Wallfahrt, die Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom und ein Ablass. Zum Programm gehört auch der Besuch bestimmter römischer Kirchen: Heute gehören acht Pilgerorte dazu, darunter der Petersdom, die Lateranbasilika, die Basilika Santa Maria Maggiore und die Katakomben. Das erste Heilige Jahr wurde 1300 von Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) ausgerufen. Ursprünglich als Jahrhundertereignis gedacht, wurde es zunächst im Abstand von 50 und dann 33 Jahren wiederholt. Der Rhythmus von 25 Jahren besteht seit 1470. Neben den „ordentlichen“ Heiligen Jahren gab es wiederholt außerordentliche Jubiläen, etwa 1566 angesichts der Bedrohung durch die Türken, 1605 zum Amtstritt von Papst Paul V., 1983 als besonderes Gedenkjahr der Erlösung, 1987 mit dem Themenschwerpunkt Maria und 2008 anlässlich der Geburt des Apostels Paulus vor 2.000 Jahren. Zuletzt hatte Papst Franziskus ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit von Dezember 2015 bis November 2016 ausgerufen.
Das Jubiläum 2025 ist wieder ein ordentliches Heiliges Jahr. Die päpstliche Verkündigungsbulle für das Heilige Jahr 2025 erschien am 25. März 2024. Das Großereignis der Weltkirche steht unter dem Motto „Peregrinantes in spem / Pilger der Hoffnung“.
Endspurt nach einem Jubeljahr mit besonderen Herausforderungen
Rom (KNA) Noch wenige Tage sind es bis zum 6. Januar. An dem Tag, den Christen in aller Welt als „Epiphanie“ (im deutschen Sprachraum auch als Dreikönigsfest) feiern, schließt Papst Leo XIV. die Heilige Pforte des Petersdoms: Jenes schwere Bronzetor, das sein Vorgänger Franziskus an Heiligabend 2024 symbolisch geöffnet hatte. Der knapp vier Monate danach gestorbene Papst saß damals im Rollstuhl und blickte erwartungsvoll in den Petersdom. Dann überquerte er als erster „Pilger der Hoffnung“ die Schwelle, die nach ihm rund 30 Millionen Pilger aus aller Welt durchschritten.
Dass das Heilige Jahr nicht 52 Wochen dauert wie ein normales Kalenderjahr, sondern 54, ist eine der vielen Besonderheiten dieses ungewöhnlichen Ereignisses. Aber Zahlen sind wichtig – sogar dann, wenn es um das Seelenheil von Menschen geht. Ob die Zählung korrekt ist, die der für die Organisation des Mega-Events zuständige Kurienerzbischof Rino Fisichella im Gleichklang mit Roms linkem Bürgermeister Roberto Gualtieri immer wieder verkündet, ist schwer nachzuprüfen. Beide sprechen von 30 Millionen Menschen, die bislang im Heiligen Jahr als Pilger nach Rom gekommen seien – und das schon vor dem besucherintensiven Weihnachtsfest.
Zwei Wochen Nachspielzeit
Und dann bleiben auch noch die beiden Wochen danach, die quasi als Nachspielzeit das Heilige Jahr bis zum 6. Januar verlängern. Gut möglich, dass ganz am Ende verkündet wird, man habe die erwartete Zahl von 35 Millionen erreicht oder gar übertroffen. Vergessen die Zeiten, als – vor allem in den ersten Monaten – Roms Hotel- und Gaststättenverband laut darüber klagte, dass der angekündigte Boom bei Übernachtungen und Essen nicht wirklich eingetreten sei. Der Jammer verstummte, als nach dem Tod von Papst Franziskus im April durch das Konklave und die Wahl von Papst Leo XIV. buchstäblich alle Welt nach Rom blickte. Danach wurde der neue Papst rasch zu einem Publikumsmagneten – wozu nicht nur die nun noch zahlreicher als sonst nach Rom strömenden US-Amerikaner beitrugen.
Ein gut orchestrierter Pilgerstrom
An manchen Tagen riss der Strom der Pilger, die singend und betend hinter einem vorangetragenen Holzkreuz die letzte Meile zum Petersdom zogen, kaum noch ab. Wer ihren Weg kreuzte, musste oft Wartezeiten in Kauf nehmen. Neben vielen baulichen Verbesserungen – mit renovierten Kirchen, neuen Plätzen, Fußgängerzonen und Radwegen – war dieser gut orchestrierte Pilgerstrom das sichtbarste Zeichen einer monatelangen Massenveranstaltung – deren eigentliches Ziel innere Umkehr und eine Erneuerung christlicher Hoffnung war.
Auch deutschsprachige Pilger nahmen zu Tausenden teil – auch wenn viele mit der reformatorischen Ablehnung von Ablässen im kulturellen Gepäck den vom Papst versprochenen „Jubiläums-Ablass“ eher skeptisch betrachteten. Es dauerte Wochen, bis die in anderen Sprachen längst gedruckten Gebetszettel für Pilger auch auf Deutsch vorlagen. Auch das Angebot an deutschsprachigen Beichtvätern in den Papstbasiliken war spärlicher als das in anderen Sprachen – und ohne Beichte gab es selbst im Heiligen Jahr keinen Ablass.
Auch zum Weltjugend-Ereignis Anfang August kamen, anders als noch im Heiligen Jahr 2000, verhältnismäßig wenige deutsche Teilnehmer. Dennoch berichten die deutsche Pilgerkirche Santa Maria dell’Anima ebenso wie das deutschsprachige Pilgerzentrum in Rom von einer deutlich stärkeren Nachfrage als in „normalen“ Jahren. Der Pilger- und Touristenstrom erfasste 2025 aber nicht nur Rom, sondern auch den traditionellen päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo. Ihn hat Leo XIV. nach zwölf Jahren Verlassenheit aus einem Dornröschenschlaf geweckt. Nach einigen Wochen Urlaub im Sommer verbringt er nun fast jede Woche eine kurze Auszeit dort.
Wenn dann am 6. Januar die Heilige Pforte am Petersdom wieder geschlossen ist, kehrt allerdings noch keine Ruhe ein. Denn schon für den Tag danach hat Papst Leo XIV. die Kardinäle aus aller Welt zu einem Konsistorium in den Vatikan eingeladen.
Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

