INFO: Aus der Buch-Ankündigung: Unsere Kirche hieß wie mein Vater! Zugegeben, der Name des Gotteshauses war länger, fremder: „Franziskus“. Aber wann immer ich, noch Kindergartenkind, an der Hand des Vaters die Gottesdienste besuchte, blickte ich stolz zu meinem Vater auf. Sein Name machte mir die Kirche zu einem vertrauten Ort. So klein ich auch war, ich spürte allerdings auch genau, dass mit dem Betreten der Kirche sich in den Besuchern eine Wandlung vollzog, man betrat eine andere Welt! Der Raum, die Riten, das Reden, die Musik, alles war gleichzeitig vertraut und geheimnisvoll, und diese seltsame Mischung machte etwas mit jedem Kirchgänger! Sie schienen so, wie ich sie kannte, und waren doch gleichzeitig auch irgendwie ganz anders.
Es tut gut, sich mitunter seiner religiösen Anfänge zu erinnern! Schaut man in den Spiegel seiner Kindheit, begegnet man natürlich einer gehörigen Portion unschuldiger Naivität und kindlicher Schlichtheit, aber auch einer erstaunlichen Sensibilität und bewundernswerten Glaubensstärke! So haben mich die Lebensberichte der Heiligen frühzeitig beeindruckt; zu denen in besonderer Weise der Namenspatron unserer Kirche gehörte. Dabei war der Hl. Franziskus von Beginn an für mich in eine geheimnisvolle Aura eingehüllt. Denn er tat nicht nur Gutes wie der Hl. Nikolaus, er war kein Missionar in fernen Ländern, und er war auch kein Märtyrer wie der Hl. Stephanus. Und doch ragte er in besonderer Weise immer hervor! Von ihm erfuhr man Geschehnisse, die einzigartig waren. So sprach er mit Vögeln und Fischen, verschenkte alles, was er besaß, doch vor allem trug er die Wundmale Christi an seinen Händen und Füßen. Franz von Assisi war mir seit Kindheitstagen vertraut und fremd zugleich; ich meinte, ihn zu kennen, und doch war er immer ganz anders.
Das hat sich selbst nach vielen Jahrzehnten bis heute im Grunde nicht geändert! Vielleicht kann man nur mosaikartig ein Bild von Franziskus zusammensetzen, mit unterschiedlichen Ansichten und Aspekten, mit verschiedenen Ausdrucksweisen und Stilformen. (Bild, Gedicht, Essay, Predigt u.a.). So entwickelte sich die Idee, im Jahr seines 800. Todestages Persönlichkeiten aus Kirche und Kultur, Politik und Gesellschaft zu bitten, einen ihnen wichtigen Gesichtspunkt des Heiligen darzustellen. An dieser Stelle darf ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Mühen von Herzen danken! In dieser Publikation sind diese Beiträge versammelt; und der Leser darf sich darauf freuen, mit dem Mann aus Assisi vertrauter zu werden. Allerdings bleibt er weiterhin auch der „Ganz-Andere“, es sind eben „Annäherungen an einen Unerreichbaren“.
© Klaus Hurtz – Der Herausgeber
Klaus Hurtz, Theologe, geboren 1955 in Mönchengladbach-Rheydt, nach dem Zivildienst von 1976-1984 Studium der Germanistik, Philosophie und Theologie in Köln, Bonn und Innsbruck, dort Sponsion zum Magister der Theologie. 1986 Priesterweihe in Aachen, nach Kaplans-tätigkeit in Krefeld-Hüls seit 1990 Pfarrer in St. Franziskus, Mönchengladbach-Rheydt und seit 2004 auch Pfarrer in St. Marien, Mönchengladbach-Rheydt, seit 2010 Pfarrer der Pfarre St. Marien, Mönchengladbach-Rheydt mit den Gemeinden St. Franziskus, St. Josef, St. Marien, von 2018-2023 Regionalvikar Mönchengladbach. Publizistische Tätigkeit.
Das Buch: Klaus Hurtz – Annährungen an einen Unerreichbaren – 800. Todestag vom Heiligen Franziskus – Bestell-Nr. 02230 – ISBN 978-3-87448-612-5 – erschienen am 21.07.2026, 48 Seiten – Preis 14,90 €, Bestellungen: https://www.kuehlen-verlag.de/detailview?no=02230
Franziskus von Assisi: Der Gründer des christlichen Franziskanerordens (Ordo Fratro Minorum, OFM) hieß ursprünglich Giovanni Bernardone (* um 1181/1182 in Assisi, Italien, † 3. Oktober 1226 in Portiuncula bei Assisi) und war Sohn eines reichen Tuchhändlers. 1202 wurde er im Krieg der Stadt Assisi gegen Perugia gefangen genommen. Nach schwerer Krankheit und langer Genesung während der Gefangenschaft bekehrte er sich bei der Pflege von Aussätzigen. Immer wieder zog er sich in die Einsamkeit zurück, um den Willen Gottes zu erspüren und fand dessen vielfältige Weisen der Liebe in der Schönheit der Schöpfung. Er beschloss, das Evangelium buchstäblich zu verwirklichen und ein Leben in völliger Armut zu führen. Er wählte das Leben als Einsiedler, dem sich im Laufe der Zeit immer mehr junge Männer anschlossen. 1210 bat Franziskus mit seinen Gefährten in Rom beim Papst um die Bestätigung der Regel ihrer Armutsbewegung zu erbitten. In der Zeit der Kreuzzüge reiste Franziskus 1219 als Missionar bis Palästina und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. In der Nähe von Damiette an der Nil-Mündung predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil, um Frieden zu erreichen. Der Sultan schenkte Franziskus zwar ein Signalhorn und war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch, doch Franziskus konnte die bevorstehende Schlacht nicht verhindern und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.
Franziskus starb am Abend zum 4. Oktober 1226 und wurde 1228 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Seit 1230 liegen seine Gebeine in einem Sarkophag in der Unterkirche von San Francesco in Assisi. Franz von Assisi wurde von der katholischen Kirche zum Patron der Umweltschützer und Ökologen erhoben. In dieser Tradition steht die 1995 gegründete Franz von Assisi-Akademie zum Schutz der Erde (http://www.faape.org/ ). Weltweit gibt es heute rund 15.000 Minderbrüder in 103 Provinzen und sind bis heute in der Kirche die größte Ordensfamilie. Weltweit leben schätzungsweise eine Million Schwestern und Brüder nach der franziskanischen Spiritualität. Mehr: http://www.franziskaner.de/
Orden der Franziskaner in Deutschland: Die von Franziskus ins Leben gerufene Bruderschaft wurde mit der Anerkennung durch Papst Innozenz III.(1209/10) und der Bestätigung der endgültigen Regel (1223) zum Orden der Minderen Brüder (Ordo Fratrum Minorum, OFM). Die ersten Mitglieder kamen bereits 1217 – noch zu Lebzeiten des Heiligen Franziskus – über die Alpen, wurden aber zurückgewiesen, weil man sie mit ihren mangelnden Sprachkenntnissen für Ketzer hielt.
Der zweite Versuch war erfolgreicher: 1221 erreichten die ersten 25 Brüder die zukünftige Provinz Teutonia. Leiter der internationalen Expedition aus 12 Klerikern und 15 Laien war Cäsarius von Speyer, mit deutscher Sprache und Mentalität vertraut, ein enger Gefährte von Franziskus. Sie wurden nach einer dreimonatigen Vorbereitungszeit an Pfingsten 1221 an der Portiuncula-Kapelle in Assisi ausgesandt und erreichten am 16. Oktober 1221 Augsburg. Von hier aus gründeten die Brüder mit der Erlaubnis zur Predigt erste Niederlassungen vor allem in den großen städtischen Zentren und entfalteten dabei eine große Expansionskraft. Sie gingen nach Würzburg, Regensburg, Salzburg, Mainz, Worms, Speyer und Straßburg und am 30. November 1221 brachen Brüder von Würzburg nach Köln auf, das schnell zum Zentrum der ursprünglich einzigen deutschen Provinz wurde. Hildesheim, Braunschweig, Halberstadt, Goslar und Magdeburg wurden 1223 erreicht, 1224 Erfurt und Bremen, 1225 Lübeck, 1230 Hamburg und kurz danach Riga. Schon 1230 teilte man die Provinz Theutonia in die Rheinische und Sächsische Provinz, 1239 wurde die Rheinische in die Provincia Argentina (Oberdeutsche Provinz mit Sitz in Straßburg) und die Provincia Colonia (Niederdeutsche Provinz mit Sitz in Köln) aufgeteilt.
Sie wiederum bestand ab dem Generalkapitel von 1260 aus den sieben Kustodien Köln, Trier, Hessen, Westfalen, Holland, Deventer und Brabant. Mit 80 Klöstern war sie bereits 1282 nach der Aquitanischen die zweitgrößte Provinz des ganzen Ordens, zum Ende des 13. Jahrhunderts sind im deutschsprachigen Raum rund 200 Konvente dokumentiert.

