Ein entscheidender Auslöser für diese bedenkliche Entwicklung war der Überfall der Terrororganisation Hamas im Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Israelis ermordet wurden. Israel reagierte auf den Anschlag mit einer massiven Militäraktion im Gaza-Streifen, die bis heute nicht völlig beendet ist. Er forderte nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher mehr als 72.000 Tote und rund 172.000 Verletzte.
Seitdem ist bundesweit ein massiver Anstieg antisemitischer Vorfälle zu beobachten. Dazu gehört u.a. der Angriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira an der Freien Universität Berlin. Er wurde von einem Mitstudenten körperlich angegriffen und schwer verletzt. Der Fall führte zu einem Strafverfahren sowie zu einer Klage gegen die Universität wegen mangelnden Schutzes. Der Fall ist insofern besonders, als er sich in einem akademischen Umfeld ereignete, das zuvor als relativ sicher galt.
Medienberichten zufolge kam es nach dem Hamas-Angriff auch zu einer massiven Zunahme antisemitischer Demonstrationen. Zwischen Oktober 2023 und Ende 2024 wurden über 2.200 entsprechende Versammlungen registriert. Vorher waren es deutlich weniger. Dort wurden u.a. Parolen verbreitet, die zur Vernichtung Israels aufrufen oder Juden kollektiv diffamieren. Auch Bedrohungen gegen jüdische Mitbürger im öffentlichen Raum haben zugenommen. So stieg zum Beispiel in Berlin zwischen 2024 und 2025 die Zahl antisemitischer Vorfälle nach dem 7. Oktober von durchschnittlich 53 auf 263 pro Monat. Die Fälle umfassen Beleidigungen, Bedrohungen, Schmierereien und tätliche Angriffe. Viele Betroffene berichten, dass sie ihre jüdische Identität im Alltag verstecken.
Die Entwicklung wird von Polizei, Verfassungsschutz und anderen deutschen Behörden bestätigt. So wurden 2024 über 8.600 antisemitische Vorfälle registriert – ein Anstieg um ca. 77 % gegenüber 2023. Die Behörden sprechen von einer deutlich erhöhten Bedrohungslage für jüdisches Leben, so ein Bericht der Bundesregierung vom 15.01.2025. Demzufolge ist Antisemitismus kein Randphänomen eines einzelnen Milieus, sondern ein ideologieübergreifendes Problem. Er ist im Rechtsextremismus, im Islamismus, aber auch im Linksextremismus zu finden.
Wie verschiedene Untersuchungen und Studien der jüngsten Vergangenheit zeigen, sind antisemitische Einstellungen bei etwa einem Fünftel aller Bundesbürger anzutreffen. Ein Beispiel: Laut der repräsentativen Befragung des Religionsmonitors 2023 stimmen 21 Prozent der Bevölkerung klassisch antisemitischen Aussagen zu wie „Die Juden haben zu viel Einfluss in unserem Land“. 43 Prozent stimmen der Aussage zu „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.“ (israelbezogener Antisemitismus).
Wie der Evangelische Pressedienst (epd) am 11. März 2026 berichtet, wurden für die Untersuchung des Demokratieforums NRW und der Servicestelle Sabra der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf „gut 800 Lehrkräfte an NRW-Schulen danach befragt, ob antisemitische Vorfälle an ihren Schulen seit dem 7. Oktober 2023 zugenommen hätten. Etwa 40 Prozent der Lehrkräfte erklärten, solche Vorfälle hätten etwas oder deutlich zugenommen. Auch Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen seien um rund 25 Prozent angestiegen. Drei bis vier Prozent der Lehrkräfte gaben zudem an, es habe seit dem Hamas-Überfall auch mehr Gewaltandrohung oder tätliche Gewalt gegenüber Mitschülerinnen und -schülern und Lehrkräften gegeben. Insgesamt wünschten sich viele Lehrkräfte mehr externe Unterstützung bei der schulischen Thematisierung von Antisemitismus, und es fehle an Material etwa zum Thema Nahost-Konflikt.“
Der „Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus“ (UEA) – ein von der Bundesregierung berufenes Gremium aus Wissenschaftlern, das regelmäßig Berichte zu Antisemitismus in Deutschland erstellt – unterscheidet zwischen drei verschiedenen Formen des Antisemitismus, die wir nachfolgend wiedergeben:
- Der klassische Antisemitismus sind Vorurteile und eine Weltsicht, in welchen Juden und Jüdinnen bestimmte biologische oder kulturelle Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese Stereotype verbinden sich häufig zu Verschwörungserzählungen. Beispielhafte Aussagen sind etwa: „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ / „Die Juden haben etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns.“ So ist etwa das stereotype Bild von Juden als mächtige Akteure in der Finanzwelt gängiger Bestandteil antisemitischer Vorurteilsstrukturen.
- Sekundärer Antisemitismus ist eine Form der Judenfeindschaft, die vor allem im Kontext der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen sichtbar wird. Er kann sich etwa in Relativierung oder Leugnung des Holocaust, der Forderung nach einem Schlussstrich unter die Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen, oder in der rhetorischen Umkehr von Opfern und Tätern äußern. Beispiele hierfür sind Aussagen wie „Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen“ oder „Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören.“
- Israelbezogener Antisemitismus: Kritik an Israel ist antisemitisch, wenn traditionelle Stereotype auf den Staat Israel übertragen werden oder die Politik Israels mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt wird; wenn Juden weltweit für die Politik Israels verantwortlich gemacht oder wenn an israelische Politik andere Standards als an andere Demokratien angelegt werden. Beispiele sind Aussagen wie „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben“ oder „Durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer.“
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt

