Barcelona: Höchster Kirchturm ist eingeweiht

  • 14.06.2026


INFO: Die höchste Kirche der Welt – war bislang das Ulmer Münster – mit stolzen 162 Metern. Doch nach über 130 Jahren gab Ulm diesen Titel ab – an die Kirche Sagrada Familia (Heilige Familie) in Barcelona. Schuld daran sind die Oberschwaben kurioserweise selbst: Das begehbare rund 100 Tonnen schwere Turmkreuz, dass den Rekord verschaffte, wurde durch den Fassadenhersteller Gartner im Gundelfingen im bayerischen Gundelfingen gebaut – nur 30 Kilometer von Ulm entfernt – und in sieben Einzelteilen nach Barcelona geliefert. Das Metallskelett wurde mit Spezialbeton ausgegossen, mit Glasscheiben versehen, mit Fliesen verkleidet und ist 17 Meter hoch und 12 Meter breit.

Am Mittwoch, 10. Juni, hat Papst Leo XIV. bei seiner Spanien-Reise in der Sagrada Familia eine Gedenkmesse für das katalanische Architektur-Genie Antoni Gaudí gefeiert, dessen Seligsprechungsverfahren sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Der feierliche Akt fiel genau auf dessen 100. Todestag. Ein ganzjähriges Programm in Barcelona feiert den Meister des katalanischen Modernisme mit Ausstellungen, z.B. in der Casa Milà/La Pedrera, und Führungen. 4.000 Gäste fanden in der Basilika Platz, 4.000 verfolgten die Zeremonie auf Vorplätzen über Großleinwände, als Papst Leo den mit 172,5 Metern höchsten Kirchturm der Welt einweihte. Ehrengäste waren unter anderem das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia, Regierungschef Pedro Sánchez sowie mehr als 200 Kardinäle und Bischöfe aus dem In- und Ausland.

Eine 1866 entstandene religiöse Laiengruppe rief ab 1874 als Buße für die „Sünden der Moderne“ zum Bau dieser Kirche auf, deren Bau 1882 nördlich der Altstadt im Stadtteil Eixample begonnen wurde. Jedoch wurde der ursprüngliche Bauplan im Zuge der Arbeiten verworfen und durch den katalonischen Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) ab 1894 nach einem ganz neuen Konzept aufgeführt. Der „Temple Expiatori de la Sagrada Familia“, zu deutsch „Sühnekirche von der Heiligen Familie“, wird bis heute allein durch Spenden, Stiftungen und Eintrittsgelder finanziert. Gaudí übernahm den Auftrag zur Bauleitung mit 31 Jahren und arbeitete 43 Jahre lang an seinem größten Projekt. Er heiratete nie, starb 1926 nach einem Straßenbahnunfall und wurde in der Krypta der noch unvollendeten Kirche La Sagrada Família beigesetzt. Im Jahr 2000 wurde von der römisch-katholischen Kirche ein Seligsprechungsverfahren für ihn eingeleitet.

Das eigenwillige Bauwerk symbolisiert die Kirche als mystischer Leib Christi: Die aus Granit, Stein, Stahl, Glas und Holz gebaute Sagrada Familia ist 90 Meter lang und 60 Meter breit, zählt 18 Türme, an der Spitze und über dem Hauptaltar der noch im Bau befindliche „Christusturm“, der mit über 172 Metern die bereits vorhandenen Glockentürme noch um 70 Meter überragen wird und der höchste Kirchturm der Welt sein wird. Er soll den bislang höchsten Kirchturm der Welt am ab 1377 gebauten Ulmer Münster um elf Meter überragen (1890 vollendet, 161, 53 Meter). Die jeweils vier Türme an den drei Fassaden stehen mit den 12 Aposteln stellvertretend für das Gottesvolk. Die Fassaden selbst widmen sich dem Leben, Tod und der Auferstehung Jesu. Neben dem 2021 fertiggestellten Marien-Turm (125 Meter) sind vier weitere Türme sind den Evangelisten gewidmet. Die UNESCO nahm 2005 die Geburtsfassade und die Krypta der Sagrada Família in ihre Liste des Weltkulturerbes auf.

Homepage: https://sagradafamilia.org/en/ , Fundació Junta Constructora del Temple Expiatori de la Sagrada Família, informacio@ext.sagradafamilia.org, Tel. (+34) 932 080 414, Carrer Mallorca, 401 Barcelona 08013 (Espanya).

Papst in Spanien: Mit dem Spanien-Besuch unternahm Leo XIV. seine vierte Auslandsreise. Das Reise-Motto „Alzad la mirada“ (Hebt euren Blick), angelehnt an das Johannesevangelium (Joh 4,35), galt als Aufforderung, über alltägliche Sorgen hinauszublicken. Im vergangenen Herbst hatte er bei seiner ersten Auslandsreise in seinem Pontifikat den Libanon und die Türkei besucht, im März war Leo XIV. in Monaco, im April ging er auf einen zehntägigen Pastoralbesuch in Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea besucht.
Nach dem offiziellen Programm seines ersten Spanienbesuchs startete Papst Leo XIV. am Samstag, 6. Juni, in Rom und wurde in Madrid vom spanischen Königspaar empfangen. Am Abend besuchte er ein Sozialprojekt besuchen und leitete am Abend auf der Plaza de Lima ein Abendgebet mit Jugendlichen. Am Sonntag, 7. Juni, folgte der Sonntagsmesse mit Fronleichnamsprozession auf der Plaza de Cibeles ein privates Treffen mit Angehörigen des Augustinerordens, den Leo XIV. über viele Jahre leitete. Anschließend kam der Papst mit Vertretern aus Kultur, Kunst, Wirtschaft und Sport zusammen.
Am Montag, 8. Juni, sprach Papst Leo XIV. vor dem Parlament, traf die katholischen Bischöfe Spaniens am Sitz der Bischofskonferenz und die Diözese Madrid im Bernabéu-Stadion. Am Dienstag, 9. Juni ging es nach einem Treffen mit ehrenamtlich Engagierten auf dem Messegelände in Madrid weiter nach Barcelona. Dort hielt der Papst das Stundengebet in der Kathedrale von Barcelona und feierte eine Gebetsvigil im Lluís Companys Olympic Stadium. Am Mittwoch, 10. Juni, besuchte der Papst ein Gefängnis und machte einen Abstecher ins nahe gelegene Montserrat, wo er die historische Benediktinergemeinschaft besuchte und Vertreter und Betreute der Diözesan-Caritas traf. Am Abend feierte er in der berühmten Sagrada Familia Barcelona eine Gedenkmesse für das katalanische Architektur-Genie Antoni Gaudí und weihte den höchsten Kirchturm der Welt ein.
Am Donnerstag, 11. Juni, flog der Papst nach Gran Canaria, um sich mit Flüchtlingshelfern und Kirchenvertretern der Insel zu treffen. Am Abend feierte er nach einer Zusammenkunft mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Diakonen, Seminaristen und in der Seelsorge Aktiven eine große Messe im Stadion von Gran Canaria. Am Freitag, 12. Juni, dem letzten Reisetag, flog das katholische Kirchenoberhaupt nach Teneriffa und traf auch dort Migranten im Zentrum „las raìces“. Nach den Begegnungen feierte er die große Schlussmesse seiner Reise im Stadion von Teneriffa und erreichte am Abend wieder den römischen Hauptstadt-Flughafen Fiumicio.

  • Christof M. Beckmann
  • Red
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