INFO: Ohne Kaffee geht im Land gar nichts: Importweltmeister sind mit mehr als 1,5 Millionen Tonnen Kaffeebohnen die USA, aber das kleinere Deutschland ist mit 1,1 Millionen Tonnen dicht auf den Fersen. Was die Pro-Kopf-Importmengen betrifft, steht Belgien an der Spitze des Rankings (22,03 Kg), auf Platz zwei liegt die Schweiz (19,64 Kg) und Deutschland mit 13,22 Kilogramm auf Platz drei. Die größten Exportmengen kommen aus Brasilien (2,2 Millionen Tonnen), Vietnam (1,4 Millionen Tonnen) und Kolumbien (753.000 Tonnen).
Mehr zum Kaffeemarkt aktuell: https://www.metatechinsights.com/de/industry-insights/coffee-market-1448 – deutschlandweit: https://www.kaffeeverband.de/de/presse/
Doch das beliebteste Heißgetränke der Deutschen kam aufgrund von Preiserhöhungen 2025 in die Schlagzeilen. Grund sind steigende Nachfrage für Arabica- und Robusta-Sorten in Asien und Nahost, höhere Energie- und Transportkosten, zugleich enorme Ernteausfälle im vergangenen Jahr durch Extremwetter und Klimawandel und erneut schlechte Ernteprognosen des weltweit größten Kaffeeerzeugers Brasilien. Das macht es besonders den Kaffeebauern schwer, die rund 60 Prozent des Weltkaffees, meist in Kooperativen anbauen und sich auf klimaresistente Sorten umstellen müssen.
Studie: „Wahre Kosten“ des Kaffeeanbaus deutlich höher
Nürnberg/Aachen (KNA) Berücksichtigt man die „wahren Kosten“ des Kaffeeanbaus, müsste das Kilogramm Kaffee laut einer neuen Studie bis zu 8,82 US-Dollar teurer sein. Dabei spielen Qualität des Produkts, Art der Produktion, Herkunft und Preisgestaltung eine entscheidende Rolle, wie aus einer Untersuchung der True Cost Alliance hervorgeht. Veröffentlicht werden soll die laut Angaben der Autoren erste Studie, die transparent soziale Kosten des Kaffeeanbaus berechnet, in der nächsten Woche. Die True Cost Alliance ist ein Netzwerk, dem der Think Tank for Sustainability, das katholische Hilfswerk Misereor und die Technische Hochschule Nürnberg angehören. Während die Forscher die Umweltkosten für vier untersuchte Kaffeesorten pauschal mit 7,22 Dollar pro Kilogramm angeben, variieren die niedrigeren sozialen Kosten stärker. Bei der Sorte Arabica aus Honduras liegen sie den Berechnungen zufolge bei 0,45 Dollar pro Kilogramm, bei der gleichen Sorte aus Uganda hingegen bei 1,60 Dollar pro Kilogramm. Zusammengerechnet kommen die Studienautoren somit zu externen, also bisher nicht im Preis berücksichtigten Kosten von 7,67 bis 8,82 Dollar pro Kilogramm Kaffee.
Als möglichen Grund für die deutlichen Unterschiede zwischen Honduras und Uganda nennt die Studie das höhere Preisniveau für Kaffee aus Honduras. Dieses und stabilere Rahmenbedingungen hätten messbare Effekte
In der Analyse wurden 20 soziale Indikatoren berücksichtigt, eingeteilt in Kategorien wie Arbeitsrecht und Gesundheit. Wird Kaffee jetzt teurer? „Der Kaffee wird teurer werden, aber nicht durch True Costs“, sagte der Misereor-Referent für Politik und zentrale Zukunftsfragen, Wilfried Wunden. Seine Hoffnung sei, dass der Kaffee günstiger werde, der fair und umweltschonend angebaut wird.
Dazu schlagen die Studienmacher vor, die Gewinn- und Verlustrechnung von Unternehmen um „wahre Kosten“ zu ergänzen. Negative Auswirkungen würden dabei ergebnis- und eigenkapitalmindernd, positive Beiträge wie Renaturierung oder Aufstockung von Löhnen, ergebnissteigernd berücksichtigt. Ein zweites vorgeschlagenes Werkzeug sind Rückstellungen für Nachhaltigkeitsrisiken wie Landkonflikte oder eine systematische Unterbezahlung. Diese Rückstellungen würden „die langfristigen Kosten von kurzfristigen Gewinnstrategien sichtbar machen“.
Mitteilung von misereor
Deutsche Unternehmen müssen sich stärker für die Beseitigung von Missständen im Kaffeeanbau einsetzen. Das fordert Misereor im Namen der „True Cost Alliance“ mit Blick auf eine neue Studie der Technischen Hochschule Nürnberg. Untersucht wurde darin am Beispiel von Honduras und Uganda, in welchem Umfang ökologische und soziale Folgekosten im Kaffeeanbau entstehen, die bislang nicht im Verkaufspreis enthalten sind. Die Studie wurde am 11. Februar auf der weltgrößten Bio-Messe „Biofach“ in Nürnberg vorgestellt.
Die Studie entstand im Rahmen des Projekts „True Cost Alliance“, in dem Misereor gemeinsam mit dem TMG Think Tank for Sustainability und der Technischen Hochschule Nürnberg an Methoden zur Erfassung der „wahren Kosten“ von Agrar- und Ernährungssystemen arbeitet.
Ihre Ergebnisse zeigen: Beim Kaffeeanbau entstehen erhebliche externe Kosten, also ökologische und soziale Schäden, die über den von den einkaufenden Unternehmen gezahlten Preis nicht abgedeckt werden. Die Umweltfolgekosten betragen demnach im Durchschnitt rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee und entstehen vor allem durch Treibhausgasemissionen, Belastungen von Böden und Gewässern sowie Gesundheitsrisiken in der Produktion. Hinzu kommen soziale Folgekosten zwischen 0,45 und 1,60 US-Dollar pro Kilogramm. Sie resultieren insbesondere aus niedrigen Einkommen, unsicheren Arbeitsbedingungen sowie Defiziten bei Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung. Viele Kaffeebäuerinnen und -bauern erzielen dadurch trotz harter Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen.
Insgesamt ergeben sich aus den genannten Gründen wahre Gesamtkosten von 7,67 bis 8,82 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee in Uganda und Honduras. Sie bedeuten für die Wirtschaft dieser beiden Länder einen entsprechenden Verlust an Wohlstand.
Zur Deckung der „wahren Kosten“ im Kaffeeanbau sei es keine akzeptable und realistische Lösung, wenn diese über deutlich erhöhte Preise von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen würden, sagt Wilfried Wunden, Fachmann für Fairen Handel und die „wahren Kosten“ von Lebensmitteln bei Misereor. Stattdessen wird in der Studie vorgeschlagen, dass Unternehmen ein „Nachhaltigkeitsgedächtnis“ in ihre Rechnungslegung aufnehmen und Rückstellungen für die versteckten Kosten erstellen. Heißt: Die Firmen sollen faire Produktionsbedingungen im Kaffeeanbau von Anfang an in ihren Kalkulationen berücksichtigen.
„Aktuell bedient der globale Süden die globale Nachfrage, muss jedoch gleichzeitig die erwähnten extremen sozialen und ökologischen Schäden bewältigen“, betonen Lennart Stein und Benjamin Oebel, die die Studie an der TH Nürnberg erarbeitet haben.
Zugleich sehen die Autoren politischen Handlungsbedarf. Mehr Transparenz- und Berichtspflichten könnten dazu beitragen, nachhaltige Produktionsweisen zu fördern und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Daraus könnten sich langfristig nachhaltige Wirkungen ergeben: „Nicht nachhaltige Produkte würden teurer, während nachhaltige Alternativen relativ günstiger werden“, so Wunden. Dieses Ziel werde jedoch nur zu erreichen sein, wenn politisch entsprechende Vorgaben für Unternehmensbilanzierungen eingeführt werden.
Hier geht es zur Studie: https://truecostalliance.eu/die-oekologischen-und-sozialen-externalitaetenvon-kaffee-am-beispiel-von-uganda-und-honduras/
Bischöfliches Hilfswerk Misereor: Misereor mit Sitz in Aachen wurde 1958 von den deutschen katholischen Bischöfen auf Vorschlag des damaligen Kölner Kardinals Josef Frings als Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt gegründet, um „den Mächtigen der Erde, den Reichen und Regierenden vom Evangelium her ins Gewissen zu reden“. Der Name bezieht sich auf das im Markus-Evangelium überlieferte Jesuswort „Misereor super turbam / Ich erbarme mich des Volkes“. Erste Anregungen für eine regelmäßige Kollekte für Entwicklungsprojekte kamen zuvor von katholischen Laienorganisationen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).
Ziel der mit Partnern in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika geleisteten Arbeit ist die Hilfe zur Selbsthilfe, für Gerechtigkeit und Bildung, gegen Hunger, Krankheit, Ausgrenzung und Menschenrechtsverletzungen sowie deren Ursachen. Gemeinsam mit einheimischen Partnern unterstützt das Hilfswerk Menschen unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Kultur und ihrer Hautfarbe. Seit seiner Gründung wurden so laut eigenen Angaben über 114.000 Projekte mit weit mehr als 7 Milliarden Euro unterstützt, jedes Jahr steht ein anderes Thema und ein anders Land im Fokus der Fastenaktion. Derzeit arbeitet Misereor mit 1.900 Partnerorganisationen in 3.000 laufenden Projekten in gut 90 Ländern zusammen.
Jeweils am fünften Sonntag der Fastenzeit gehen alle Kollekten der katholischen Gottesdienste in Deutschland an Misereor. In den Wochen zuvor stellt das Hilfswerk jeweils ein Projekt beispielhaft in den Vordergrund, um den Menschen in Deutschland die Lebenswelt von Menschen nahebringen, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden, und zugleich Hoffnungs- und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. MISEREOR ist Mitglied im Bündnis Entwicklung Hilft: www.entwicklung-hilft.de .
MISEREOR-Spendenkonto: Spendenkonto 10 10 10, Pax Bank Aachen, BLZ 370 601 93, IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10, BIC GENODED1PAX. MISEREOR im Netz: www.misereor.de , MISEREOR-Blog: https://blog.misereor.de/ , Twitter: www.twitter.com/misereor , Facebook: www.facebook.com/misereor , Instagram: www.instagram.com/misereor . Mehr: www.entwicklung-hilft.de . Themendossier Welthandel , Themendossier Unternehmensverantwortung, Dossier Klimawandel . Kontakt: Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V., Mozartstraße 9, 52064 Aachen. Tel. 0241 / 442-0, Fax: 0241 / 442-188, E-Mail: info@misereor.de, Internet: www.misereor.de .

