Aliyas Poetrytext zum Nachlesen:
Leben oder doch nur überleben? Immer auf der Flucht, auf der Suche nach Heimat. Zu jung zu verstehen, warum wir eigentlich gehen. Kurden in der Türkei.
Wir sprachen unsere Sprache nur leise, weil die Angst, gehört zu werden, lauter war als unsere Stimmen. Wir gaben unseren Kindern Namen, die nicht zu kurdisch klangen, weil selbst ein Name über ihre Zukunft entscheiden kann. Und wir lernten: Sag niemals zu laut: „Ich bin Kurde.“ Denn dieser Satz kann dein Leben riskieren.
All die Wege durch Albanien, Kosovo, Serbien, Kroatien, Italien Frankreich und Slowakei. Mit 7 Jahren nur ein großes Versteck Spiel. Und dann Deutschland. Ich lächelte die deutsche Oma im Bus extra freundlich an, ich sprach im Laden extra Laut deutsch, ich feierte eure Feiertage. Und ich vernachlässigte meine Kultur, um eure zu lernen.
Dann die Hoffnung – Nicht mehr nur ein Zufluchtsort, sondern vielleicht ein Ort, den ich Zuhause nennen darf.
Doch plötzlich: Im Briefkasten ein Brief. Ein gelber Brief.
So leicht – nur ein paar Blätter
Und trotzdem schwer genug um all meine Hoffnung zu begraben.
Meine Schwester am studieren. Mein Bruder verheiratet.
Meine Eltern am arbeiten – ohne Pause.
Für Deutschland aber immer nur ein Aktenzeichen.
An diesem Tag verstand ich: Manchmal reicht es nicht, alles richtig
zu machen, wenn mein größter “Fehler”, meine Herkunft ist.
Nie wieder hieß es, dennoch sind wir auf dem Weg dahin.

