Die Päpstin

Von Marie-Luise Eberhardt (kath.) Eine Päpstin - auch 2026 unvorstellbar. Auch wenn Papst Leo mehr Frauen in Führungspositionen ernennt, bleibt der Wunsch nach Gleichstellung in der katholischen Kirche eine Fiktion. Wie das Musical „Die Päpstin“.

  • 05.11.2026

INFO: Eine Frau, die im Mittelalter selbstbestimmt ihren Weg geht. Ein Kampf um Liebe, Glauben und Selbstbestimmung: Das Musical erzählt – basierend auf dem Weltbestseller von Donna W. Cross – die historische Geschichte von Johanna. Aufgewachsen im Frankenreich des 9. Jahrhunderts gelingt ihr, was anderen Mädchen verwehrt bleibt: Sie erhält eine heilkundliche Ausbildung. Doch sie weiß, dass sie als gelehrte Frau in dieser von Männern dominierten Welt, in der Frauen nur zum Gebären und Putzen geboren wurden, kaum überleben kann. Sie verkleidet sich daher als Mönch und zieht erst ins Kloster Fulda, dann nach Rom. Dort steigt sie unerkannt bis zum Heiligen Stuhl auf und wird zum Papst gewählt. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Macht zwingen eine verbotene Liebe und eine unerwartete Schwangerschaft sie zu einer folgenschweren Entscheidung zwischen ihrem Glauben und ihrer wahren Identität.

Erwähnt im 13. Jahrhundert in einer Chronik von Martin von Troppau verbreitet sich der Mythos von Johanna rasant in ganz Europa. Wen wundert’s? Schließlich wird von einer gelehrten Frau in einer Männerwelt erzählt, die als Mönch verkleidet umherzieht – und als Päpstin auf dem Heiligen Stuhl in Rom landet. Auch der acht Millionen Mal verkaufte Roman von Donna W. Cross elektrisierte – genauso wie DIE PÄPSTIN – DAS MUSICAL: Seit seiner Uraufführung 2011 im Schlosstheater in Fulda feierten bislang 800.000 Zuschauer*innen diese fesselnde Bühnenfassung.

Jetzt ist das Stück in der hochgelobten Neuinszenierung von Regisseur Gil Mehmert (2024 mit dem Deutschen Musical Theater Preis in den Kategorien „Bestes Revival“ und „Bestes Tondesign“ ausgezeichnet) erstmals in Nordrhein-Westfalen zu erleben: Noch bis 14. November 2026 im Metronom Theater Oberhausen. Eine bewegende Inszenierung, die berührt und mit Standing Ovations bereits mehrfach belohnt wurde.

Sandy Mölling (No Angels) als Päpstin

Im Interview mit t-online verrät die Sängerin und Musicaldarstellerin, warum diese Rolle sie jeden Abend aufs Neue bewegt. Sie erzählt, warum die Geschichte in ihren Augen bis heute aktuell ist, was sie an der Kirche kritisch sieht und weshalb sie sich mehr Gleichberechtigung und Menschlichkeit wünscht. (Ausschnitt)

t-online: Sandy Mölling, Sie haben die Päpstin bereits mehrfach gespielt. Was bedeutet Ihnen diese Rolle?

Sandy Mölling: Es ist in meinen Augen die stärkste Frauenrolle des deutschsprachigen Musicals. Ich wollte die Päpstin immer schon spielen. Es ist mir eine wahnsinnige Freude, diese Frau zu verkörpern.

t-online: Sie sprechen leidenschaftlich über Gleichberechtigung. Haben Sie den Eindruck, dass wir gesellschaftlich gerade wieder Rückschritte machen?

Sandy Mölling: Es hat sich schon etwas bewegt, aber wirklich wichtige Rollen sind für Frauen immer noch tabu. Das finde ich absolut furchtbar. Wir sollten Menschen nicht nach Herkunft oder Geschlecht beurteilen, sondern danach, was sie ausmacht und was sie bewegt. Ich finde es verrückt, dass man überhaupt darüber sprechen muss, ob Frauen bestimmte Positionen übernehmen dürfen. Wir sind im Jahr 2026!

t-online: Wie sieht es mit Ihrer Beziehung zur Kirche aus?

Sandy Mölling: Ich bin katholisch getauft, aber schon vor längerer Zeit aus der Kirche ausgetreten. Das hat nichts mit meinem Glauben zu tun. Ich kann nur nicht nachvollziehen, dass man in Deutschland für seinen Glauben Steuern zahlen soll. Aber wenn ein Klingelbeutel herumgeht, gebe ich sehr gerne etwas. Hoffnungen für die katholische Kirche verbinde ich mit dem aktuellen Papst. Ich mag ihn unglaublich gern, er steht für die richtigen Dinge ein. Er ist herzlich und menschlich. Genau das fehlt in vielen Bereichen unserer Gesellschaft. Und wenn man Glauben für Extremismus oder Macht benutzt, ist es falsch. Dann hat es mit Glauben nichts mehr zu tun.

Unsere Gesprächspartnerin – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

 „Die katholische Frauengemeinschaft ist der größte katholische Frauenverband in Deutschland und setzt sich für Rechte von Frauen in Kirche und Gesellschaft ein.“ – Ruth Fehlker, geistliche Leiterin

Leitspruch – Starke Frauen gestalten Veränderung

Mehr über die Arbeit der kfd finden Sie auf der Website .

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