03. Juni 1998. In Eschede in Niedersachsen geschieht ein unvorstellbares Zugunglück: 101 Tote und 105 Verletzte. Bis heute gibt es am 03. Juni Gedenkveranstaltungen für die Angehörigen, für die Überlebenden, für die Ersthelfer. Sebastian Richter erinnert an das Unglück und daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und einander zu trösten.
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In ein paar Tagen – am 03. Juni – jährt sich das Zugunglück von Eschede in Niedersachsen. Es war das weltweit größte Hochgeschwindigkeitsunglück der Geschichte: gewaltiges technisches Versagen. Die Folge: etwa 100 Tote.
Beiträge in den sozialen Medien erinnern mich an die Ursachen für das Unglück: Damals – 1998 – ist ein Rad an einem ICE gebrochen. Da gab es wohl schon vorher Risse, aber die wurden nicht erkannt oder unterschätzt. Später hat sich das kaputte Teil gelöst und ist durch den Wagenboden geschlagen. Das führte dazu, dass der Zug bei voller Geschwindigkeit entgleist und gegen eine Brücke geknallt ist.
Schnell bin ich wieder voll drin in der alten Geschichte. 98 als Jugendlicher war ich mit den Nachrichten rund um das Zugunglück überfordert. Heute nehme ich die Ereignisse ganz anders wahr. Weniger ängstlich. Ich denke an die Opfer und an die Hinterbliebenen.
Das Unglück von Eschede steht für mich nicht nur für technisches Versagen, sondern auch für Verantwortung. Wer kontrolliert Systeme? Wer hört auf Warnzeichen? Und was passiert, wenn wirtschaftlicher Druck wichtiger wird als Sicherheit? Und was lernen wir eigentlich aus diesem Unglück? Wenn ich mir ansehe, wie schwer wir uns tun, Klimaschutz ernst zu nehmen oder die Infrastruktur in Schuss zu halten… dann sehe ich kaum Fortschritt.
In meinem Ehrenamt bei der Ev. Kirche helfe ich manchmal Menschen, die jemanden verloren haben. Ich versuche mit ihnen zusammen, Abschied und Trauer zu gestalten. Auch, und gerade, wenn etwas Schlimmes passiert. Aber noch lieber wäre mir, wenn es gar nicht erst zu Katastrophen käme. Daher nehme ich mir vor, wo ich es kann, sorgsam und umsichtig zu sein. Denn jedes einzelne Leben zählt.
Sebastian Richter von der evangelischen Kirche für „Augenblick mal!“
Hilfe bei Sorgen, Trauer, psychischer Belastung findet Ihr zum Beispiel bei der Telefonseelsorge .
Und hier die Nummern, unter denen die Telefonseelsorge erreichbar ist: 0800 1110111 / 0800 1110222

