INFO: Ganz Aachen wird am 14. Mai 2026 zu einem Ort der europäischen Begegnung: Die feierliche Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses beginnt um 11.15 Uhr und wird live in der Stadt sowie im WDR übertragen. Zuvor findet um 9.00 Uhr im Hohen Dom zu Aachen das traditionelle Pontifikalamt zur Karlspreisverleihung statt. Auf dem Katschhof laden wir zum großen Open-Air-Festival mit Musik, Gesprächen und einem vielfältigen Programm ein, das Europas Vielfalt und Zusammenhalt erlebbar macht. Gemeinsam wollen wir auch in Zukunft Europa feiern – seine Werte, seine Errungenschaften und seine Zukunft.
Der Internationale Karlspreis 2026
(KNA) Der diesjährige Internationale Karlspreis zu Aachen geht an Mario Draghi, den früheren Ministerpräsidenten von Italien und Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Draghi sei „Wissenschaftler und Manager“, erklärte der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Armin Laschet, in Aachen: „Er hat Europäische Visionen entwickelt.“ Zudem sei die Rettung des Euro sein Lebenswerk. Draghi selbst appellierte an die Europäer, enger zusammenzustehen. Besonders hervor hob Laschet den vom Ökonomen im September 2024 veröffentlichten Draghi-Report, die eine Agenda für mehr Wettbewerbsfähigkeit fordert. Um mit den USA und China konkurrieren zu können, brauche es laut Bericht eine jährliche Investition von 750 bis 800 Milliarden Euro. Draghis Plan schaffe eine Strategie für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas, würdigte das Karlspreis-Direktorium. Laschet forderte die EU-Regierungschefs auf, die Empfehlungen aus dem Report umzusetzen.
Draghi (78) war von Februar 2021 bis Oktober 2022 Ministerpräsident Italiens. Von 2011 bis 2019 stand er als Präsident der Europäischen Zentralbank vor. Draghi vereine als Preisträger eine Lebensleistung und eine Vision für die Zukunft, betonte Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU). Draghis Vision sei gerade auch für junge Menschen wegweisend, da sie für ein Europa stünden, „in dem sie Möglichkeiten haben, sich frei zu entfalten“. In einer Videobotschaft bedankte sich Draghi für die Auszeichnung beim Karlspreis-Direktorium. Europa habe aktuell „so viele Feinde wie vielleicht noch nie“, sagte der Preisträger. „Wir Europäer müssen deshalb so eng zusammenstehen wie niemals zuvor.“ Europa müsse militärisch, wirtschaftlich und politisch stärker werden. „Wir werden unsere Union bewahren, wir werden unser Europa bewahren.“ Den Preis wird Draghi am 14. Mai (Christi Himmelfahrt) persönlich in Aachen entgegennehmen.
Der 1950 erstmals vergebene Internationale Karlspreis zu Aachen ist eine der wichtigsten europäischen Auszeichnungen. Er ist der älteste und bekannteste Preis, mit dem Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet werden, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben. Der seit 2025 mit einer Million Euro dotierte Preis besteht neben einer Urkunde aus einer Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit dem thronenden Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt. Mit dem Preisgeld sollen in Abstimmung mit dem Preisträger europäische Projekte finanziert werden.
Zu den früheren Trägern gehören Robert Schuman, Konrad Adenauer, Francois Mitterand, der spanische König Juan Carlos I., Helmut Kohl, Vaclav Havel, Bill Clinton, Angela Merkel, Donald Tusk, Martin Schulz oder Andrea Riccardi. Letzte Preisträger waren Timothy Garton Ash 2017 , Emmanuel Macron 2018 , und Klaus Iohannis 2020/21, 2022 Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo, 2023 Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk, 2024 Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa und 2025 Ursula von der Leyen. 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen Außerordentlichen Karlspreis, Papst Franziskus wurde 2016 geehrt. Mehr: www.karlspreis.de .
Rahmenprogramm des Karlspreises: Rund 50 Veranstaltungen mit einer Reihe von prominenten Gästen, ganz unterschiedliche europäische Themen zwischen Politik, Geschichte und Unterhaltung, Events für „Jung und Alt“ – das Rahmenprogramm rund um den diesjährigen Karlspreis hat zahlreiche Highlights. Seit dem 14. April setzten sich die vielfältigen Formate mit dem diesjährigen Preisträger Prof. Dr. Mario Draghi, seinem Heimatland Italien und den Zukunftsfragen der EU auseinander. Die rund 50 Veranstaltungen – von Ausstellungen, Talks und Lesungen über Workshops, die Jugendkarlspreisverleihung bis hin zu Formaten für Kinder – brachten Themen wie wirtschaftliche Stärke, Frieden, Sicherheit und Demokratie ebenso auf die Bühne wie aktuelle außen- und sicherheitspolitische Konflikte.
Bürgerfest auf dem Katschhof / Preisverleihung live: Beim Open-Air-Bürgerfest „Karlspreis LIVE“ auf dem Katschhof wurde Europa schon seit Mittwoch vor der Preisverleihung mit prominenten Künstlern und Bands erlebbar. Am Christi-Himmelfahrtstag wird die Preisverleihung im Krönungssaal des Rathauses im WDR-Fernsehen und auch live auf den Markt übertragen. Im Anschluss wird gemeinsam auf dem Katschhof gefeiert: Erst begrüßen unter anderem Armin Laschet und Dr. Michael Ziemons den Preisträger sowie zahlreiche Ehrengäste auf der Bühne. Danach erwartet die Besucherinnen und Besucher bis in den Abend ein abwechslungsreiches Programm mit Live-Musik und Angeboten für die ganze Familie. Den Abschluss bildet die Verlosung von 75+1 Interrail-Tickets. Der Eintritt ist frei.
Der Karlspreis online: Alle Informationen zum Rahmenprogramm unter https://www.karlspreis.de/de/veranstaltungen/rahmenprogramm . Updates auf den Social-Media-Kanälen: Instagram: @karlspreis_ac , LinkedIn: Karlspreis , X: @KarlspreisAC , Facebook: @IntlKarlspreis . Das offizielle Hashtag in diesem Jahr lautet: #Karlspreis2026
Karl – der Namensgeber des Preises
Der Frankenkönig und Kaiser Karl I., „der Große” (742-814), auch Carolus Magnus oder Charlemagne genannt, gehört zu den bedeutendsten Gestalten der mittelalterlichen Geschichte. Geboren wahrscheinlich am 2. April 742, übernahm er nach dem Tod seines Vaters Pippin des Kleinen 768 Titel und Regierung als König der Franken, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann und nach dessen Tod 771 als Alleinherrscher. Er nahm den aus Rom geflohenen Papst Leo III. bei sich auf, bestätigte ihm die Herrschaft über den Kirchenstaat und wurde am 25. Dezember 800 in Rom durch Papst Leo zum Kaiser gekrönt. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen, wo er in seiner Pfalzkapelle beigesetzt wurde. Kaiser Friedrich Barbarossas erreichte 1165 die Heiligsprechung Karls unter Billigung von Gegenpapst Paschalis III.; seit 1176 wird die Verehrung geduldet: sie ist offiziell „gestattet, nicht anerkannt”, er ist deshalb nicht im Martyrologium Romanum verzeichnet.
Karls Bedeutung liegt weniger in seinem frommen Leben als in seiner politischen und geschichtlichen Wirksamkeit. Mit seiner Politik legte er die Fundamente eines christlichen Abendlandes und verschaffte der Kirche und dem Glauben in Europa bleibenden Raum. Karl starb am 28.1.814 in Aachen, wo er in seiner Pfalzkapelle, dem Aachener Münster, beigesetzt wurde. Auf Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1152-1190) Veranlassung erfolgte 1165 die Heiligsprechung Karls durch den Erzbischof von Köln – unter Billigung von Gegenpapst Paschalis III., aber gegen den Willen von Papst Alexander III. – seine Gebeine waren seitdem im römischen Proserpina-Sarkophag bestattet. Die feierliche Erhebung (elevatio) der Gebeine wurde in Aachen in Gegenwart der Großen des Reiches und unter Mitwirkung des Kaisers vollzogen, der die Gebeine Karls persönlich dem Grab entnahm. Seit 1176 ist die Verehrung offiziell „gestattet, nicht anerkannt” – darum ist er nicht im Martyrologium Romanum verzeichnet.
Am 27. Juli 1215, ließ der zwei Tage zuvor in Aachen zum König gekrönte spätere Kaiser Friedrich II. die sterblichen Überreste Karls in den neuen Karlsschrein übertragen (Translatio) und schlug die letzten Sargnägel ein. Der Schrein wurde am jetzigen Hauptaltar des Domes aufgestellt. Der Kern ist ein Holzschrein aus Eiche, darauf silbervergoldete Figuren und Reliefs, Verzierungen aus Emaille, Edelsteine und Filigrane. Auf der Stirnseite sitzt Karl der Große, neben ihm – stehend genauso groß – Papst Leo III. und Erzbischof Turpin von Reims. Auf der rückwärtigen Stirnseite die thronende Maria und das Christuskind. Auf den Dachreliefs sind zwei Mal acht deutsche Könige und Kaiser zu sehen, die meisten in Aachen gekrönt, in irgendeiner Form Gönner oder Gefährten von Karl dem Großen. Der Aachener Domschatz birgt Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten. Zu den wertvollsten zählen Textilien, von denen die ältesten dem Schatz Kaiser Karl des Großen zugeordnet werden. Er sammelte und stiftete diese kleinen Stoffe aus dem 6. und 7. Jahrhundert, die als Reliquien oder als deren Hüllen nach Aachen kamen.
Buchtipp: Karl der Große. Leben und Wirkung, Kunst und Architektur, hg. v. Michael Imhof, Christoph Winterer, 240 Seiten, 360 Farb- und 15 S/W-Abbildungen, Broschur, 2. Auflage als Sonderausgabe, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013 (1. Aufl. 2005), ISBN 978-3-932526-61-9, Euro 14,95.
Deutsche Bischofskonferenz stärkt Europa den Rücken
Vor dem diesjährigen Europatag veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz heute (24. April 2026) einen Zwischenruf mit dem Titel „Europa, zeigʼ dich selbstbewusst!“ . In dem bereits während der zurückliegenden Vollversammlung der Bischofskonferenz entwickelten Text äußern sich die Bischöfe zum Selbstverständnis Europas in einer sich verändernden Weltordnung. Sie werben für ein wertegeleitetes Handeln Europas nach innen- und außen. Das vereinte Europa sei ohne seine Werte „als Friedens-, Freiheits- und Demokratieprojekt nicht denkbar“.
Der Zwischenruf richtet sich primär an politisch Verantwortliche in der EU und ihren Mitgliedstaaten sowie an den Europarat. Die Kernbotschaft ist ein Plädoyer für das vereinte Europa als wertebasiertes Projekt des Friedens und der Demokratie, für die Gültigkeit des Völkerrechts und für multilaterale Zusammenarbeit. In vier Kapiteln wird die Verantwortung der Kirche für Europa herausgestellt, eine neue „Welt-Un-Ordnung“ skizziert und dargelegt, dass das auf Einheit und Werten basierende Europa Selbstbewusstsein und Hoffnung braucht.
Das Christentum, so heißt es in dem Text, müsse einen positiven, wertebasierten Beitrag zur Demokratie und zur europäischen Integration leisten: „Dieser Beitrag ist grundgelegt in der Botschaft des Evangeliums, in der wahrer Frieden zugleich Geschenk Gottes und ein Auftrag an alle Menschen ist.“ Der christliche Glaube und seine sozialethischen Prinzipien seien für viele Gründerväter und -mütter der EU ein Antrieb gewesen, der gemeinsam mit der Aufklärung das geistige Fundament Europas präge. Das Christentum mit seinem „Verständnis von Freiheit, Würde und Verantwortung“ habe „der römischen Rechts- und der griechischen Demokratietradition das Verständnis von der Würde und grundlegenden Gleichheit aller Menschen hinzugegeben“. Mit dem Zwischenruf wenden sich die Bischöfe zugleich gegen die Konzeption eines „christlichen Abendlands“ als politischer Kampfbegriff.
Das vereinte Europa bleibe, so die Bischöfe, als weltpolitische Akteurin gefragt, obwohl Europa von innen und außen unter Druck stehe und „die wirtschaftlich und sicherheitspolitisch schwierige Situation Europas so deutlich hervortret[e] wie lange nicht mehr“. Sie betonen: Mit der europäischen Einigung „entstand eine mehr als 80 Jahre andauernde Friedensordnung in Europa, die zugleich ein Freiheits- und Demokratieprojekt ist“. Europa solle seine Werte mutig und selbstbewusst vertreten, auch angesichts von Europas Motto „Einheit in Vielfalt“. Dazu gehörten „der unerschütterliche Wille zu fairer und solidarischer Zusammenarbeit in subsidiären Strukturen und gemeinsamen Institutionen sowie ein klares Bekenntnis zu Europas ideellem Fundament“. Daher brauche Europa vor allem eine Erzählung der Hoffnung: „Aus Hoffnung erwächst der Antrieb, voranzugehen und wieder in die Initiative zu kommen“.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Bischöflichen Arbeitsgruppe Europa, Bischof Dr. Heiner Wilmer, erläutert: „Bei unserem Zwischenruf ist mir in diesen Zeiten der Frieden besonders wichtig. Wir folgen als Bischöfe damit Papst Leo XIV. und seinem Einsatz für Frieden in der ganzen Welt. In diesem Sinne sehe ich Europa in der besonderen Verantwortung, aus seinem Selbstverständnis heraus die Gültigkeit des Völkerrechts einzufordern und mutig für verlässliche, multilateral koordinierte Regeln einzustehen. Ich danke der Bischöflichen Arbeitsgruppe Europa für die kenntnisreichen und engagierten Beratungen und für die Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Zwischenrufs.“
Für ihre europäische Grundlagenarbeit unterhält die Deutsche Bischofskonferenz die der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen zugeordnete „Bischöfliche Arbeitsgruppe Europa“. Bereits am 13. Februar 2026 hatten die Vorsitzenden der Italienischen, Französischen, Polnischen und Deutschen Bischofskonferenz einen Appell zur Zukunft Europas verfasst, der an die christlichen Wurzeln Europas ebenso erinnert wie er die Christen motiviert, sich für die europäische Sache zu engagieren.
Hinweise: Die Stellungnahme der Bischöflichen Arbeitsgruppe Europa ist in deutscher, englischer und französischer Sprache als PDF-Dateien verfügbar. Weitere Informationen zum Europaengagement der Bischöfe auf der Themenseite Europa. Hier der Europa-Appell der Vorsitzenden der Französischen, Italienischen, Polnischen und Deutschen Bischofskonferenz .

