Himmelfahrtskommandos: Vatertag oder was?


INFO: Viele verbinden das Fest auch mit feuchtfröhlichen Ausflügen zum Vatertag, an dem Männergruppen mit Bollerwagen und Bierfass losziehen. In einigen Statistiken nimmt Christi Himmelfahrt wohl auch deshalb eine traurige Spitzenposition ein – vor allem bei den Unfällen unter Alkoholeinfluss. Laut Statistischem Bundesamt ereignen sich seit vielen Jahren die meisten Alkoholunfälle im Jahr am Vatertag, gefolgt von Neujahr und vom 1. Mai. In manchen Jahren waren es doppelt so viele Unfälle wie im Jahresdurchschnitt. In den vergangenen Jahren verzeichnet das Bundesamt rund 300 alkoholbedingte Verkehrsunfälle an Christi Himmelfahrt, gegenüber etwa 100 an einem normalen Tag. Die Zahl verdreifacht sich somit innerhalb eines einzigen Tages, und das Jahr für Jahr, so auch eine aktuelle Studie von Motointegrator und DataPulse Research : https://www.motointegrator.de/blog/alkohol-am-steuer/

Es gibt Hinweise, dass das Treiben am Vatertag aus dem Brauchtum rund um Himmelfahrt entstanden sein könnte. So verraten kirchliche Chroniken, dass schon im 17. Jahrhundert manche Himmelfahrtsprozession in einem Trinkgelage geendet hat. Daraus entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert in manchen Großstädten sogenannte „Schinkentouren“: Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen. In den 1930er Jahren propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger dann den Vatertag als Gegenstück zum etablierten Muttertag.

Christi Himmelfahrt

40 Tage nach Ostern feiern die Christen das Fest Christi Himmelfahrt in Erinnerung daran, dass Jesus als Sohn Gottes zu seinem Vater im Himmel zurückkehrte. Nach dem Katechismus der katholischen Kirche gilt die Himmelfahrt Jesu als der endgültige „Eintritt seiner menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit“. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „(…) am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. (…)“ In der frühen Christenheit war das Gedächtnis an die Himmelfahrt Jesu zunächst mit dem Pfingstfest verbunden. Seit 370 kann das Fest Christi Himmelfahrt als eigenständiges Fest 40 Tage nach Ostern nachgewiesen werden. Es fällt demnach stets auf einen Donnerstag und ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag.

Die Himmelfahrt des auferstandenen Jesus gehört zum Urbestand des christlichen Glaubens. „Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“ (Lk 24,51), schreibt der Evangelist Lukas (Lk 24,50–52). Direkt zum Anfang der Apostelgeschichte heißt es im 1. Kapitel:

„Lieber Theophilus! In meinem ersten Bericht habe ich von allem geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat; und zwar von Anfang an bis zu seiner Rückkehr zu Gott. Bevor aber Jesus in den Himmel aufgenommen wurde, hatte ihm der Heilige Geist gezeigt, welche Männer er als seine Apostel berufen sollte. Ihnen gab er genaue Anweisungen für die Zukunft. Diesen Männern hat er sich auch nach seinem Leiden und Sterben gezeigt und damit bewiesen, dass er tatsächlich auferstanden ist. Vierzig Tage lang sahen sie ihn, und er sprach mit ihnen über das Reich Gottes.

An einem dieser Tage befahl Jesus seinen Jüngern: „Verlasst Jerusalem nicht! Bleibt so lange hier, bis in Erfüllung gegangen ist, was euch der Vater durch mich versprochen hat. Johannes taufte mit Wasser; ihr aber werdet bald mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: „Herr, wirst du jetzt Israel wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?“ Darauf antwortete Jesus: „Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater bestimmt. Das ist nicht eure Sache. Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde.“

Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr. Noch während sie überrascht nach oben blickten, standen auf einmal zwei weißgekleidete Männer bei ihnen. „Ihr Galiläer“, sprachen sie die Jünger an, „was steht ihr hier und seht zum Himmel? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen; aber eines Tages wird er genauso zurückkehren.“

Flurprozessionen: In der katholischen Kirche sind traditionell sind die drei Tage vor Christi Himmelfahrt (Montag, Dienstag und Mittwoch) sogenannte „Bittage“. Weil bei den dazu stattfindenden Prozessionen das Kreuz vorangetragen wurde, wird diese Woche auch als Gangwoche, Betwoche, Bittwoche oder Kreuzwoche bezeichnet. Diese drei Bittage gehen auf den Hl. Mamertus, seit 461 Erzbischof im südfranzösischen Vienne, zurück. Auch heute sind diese Prozessionen noch aktuell und finden meist in den frühen Morgenstunden statt. Die Gemeinde zieht über die Felder und Flure, singt die „Große Litanei“ (= die Allerheiligenlitanei) und bittet Gott um seinen Segen für die aufblühende Natur mit ihren heranwachsenden Früchten.

Gesetzlicher Feiertag: Anders als Fronleichnam zehn Tage nach Pfingsten ist Christi Himmelfahrt in allen deutschen Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Das gilt auch für viele Nachbarländer wie Schweiz, Österreich, Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie für weitere Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Liechtenstein, Kolumbien, Haiti, Indonesien oder Namibia. Kein gesetzlicher Feiertag dagegen ist Christi Himmelfahrt in klassischen katholischen Ländern wie Italien, Polen, Ungarn oder Spanien. Dort wird die kirchliche Feier in der Regel am darauffolgenden Sonntag nachgeholt.

801. Gymnicher Ritt

Das Fest Christi Himmelfahrt wird mit Gottesdiensten und an vielen Orten traditionell auch mit Prozessionen im Freien gefeiert. Bekannte Prozessionen sind etwa der „Gymnicher Ritt“ in Erftstadt bei Köln: Zur 801. Auflage werden am 14. Mai bei der größten und traditionsreichsten Reiterprozession des Rheinlandes wieder zahlreiche Ehrengäste, Würdenträgerinnen und -träger, Zelebranten sowie nicht zuletzt zahlreiche Pilgerinnen und Pilger zu Fuß und zu Pferd erwartet. Darüber hinaus werden einmal mehr tausende Besucherinnen und Besucher über den Jahrmarkt bummeln. Der Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde Sankt Kunibert Gymnich lädt wie gewohnt ab 8 Uhr zu einer Pilgermesse in Sankt Kunibert ein. Gleichzeitig startet die St. Sebastianus-Bruderschaft mit Fußgruppen und Reitenden zur Abholung der Schlossstandarte ins Gymnicher Schloss. Die St. Kunibertus-Schützengesellschaft begibt sich anschließend mit ihren Fuß- und Reitabordnungen ins Schloss, um dort das Kreuzreliquiar mit den Kreuzpartikeln zur späteren Übergabe an der Kirche abzuholen. Nach dem Auszug der Fußpilgernden beginnt um 9 Uhr dann die Reitermesse auf dem Rittplatz neben der Kirche. Die Reiterprozession zieht im Anschluss – unter anderem mit den Teilnehmenden der beiden Schützengesellschaften und vielen weiteren – auf den rund zwölf Kilometer langen Prozessionsweg über die Felder rund um Gymnich. An der Mariensäule an der Kerpener Straße erhalten die Fuß- und Reiterpilgerinnen und -pilger gegen 12 Uhr den Segen, bevor ab 12:15 Uhr der Abschluss mit sakramentalem Segen durch die Zelebranten auf dem Rittplatz mit allen Reitenden und Fußpilgernden sowie hunderten Besucherinnen und Besuchern folgt. Im Anschluss startet der Jahrmarkt entlang der Gymnicher Hauptstraße bis in den Abend hinein. 2026 wurde der Gymnicher Ritt in das Inventar des immateriellen Kulturerbes von Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Die Pfarrgemeinde St. Kunibert Gymnich freut sich über Spenden, auf Wunsch selbstverständlich gegen eine Spendenquittung. Spendenkonto: Kirchengemeinde St. Kunibert Gymnich, Verwendungszweck „Gymnicher Ritt 190 0003 001“, Raiffeisenbank Gymnich, DE89 3706 9322 3000 3620 17. Nähere Informationen – von der Historie bis hin zu aktuellen Straßensperrungen – gibt es unter www.erftstadt.de/gymnicher-ritt

Telgter Kutschenwallfahrt

Die ursprünglich 1988 als einmalige Aktion zum 750-jährigen Stadtjubiläum geplante Wallfahrt entwickelte sich zu einer jährlich stattfindenden Tradition. Seitdem verwandelte sich die Planwiese am Himmelfahrtstag in eine Arena für Friesen, Isländer, Fjordpferde, Hannoveraner und Araber, Haflinger, Schimmel, Rappen, Mini-Pferde, Ponys, Warm- und Kaltblüter. Auch am Christi-Himmelfahrts-Tag, 14. Mai 2024, lädt Telgte wieder zur Kutschenwallfahrt ein. Am frühen Vormittag treffen die ersten von rund 80 Kutschen auf der Planwiese ein. Prächtig geschmückte Landauer, Wagonetten, Gigs, Federwagen und Münsterländer Jagdwagen mit Friesen, Isländern, Fjordpferden, Haflingern oder Mini-Pferden lassen die Herzen von Pferdenarren wieder höherschlagen.

Um 11.30 Uhr beginnt auf der Planwiese die Wallfahrtsmesse unter freiem Himmel. Die Feier des Pontifikalamts und die Festpredigt hat Weihbischof Wilfried Theising, Bischöflicher Offizial für den Offizialatsbezirk Oldenburg, übernommen. Nach einer Mittagspause mit gastronomischem Angebot werden die Gespanne ab 13.30 Uhr einzeln auf der Planwiese vorgestellt und die drei schönsten Kutschen von einer Fachjury prämiert. Am Nachmittag schlängelt sich der Kutschenkorso dann ab 14.30 Uhr durch die historische Altstadt. Veranstalter der alljährlichen Veranstaltung sind wieder der Reit- und Fahrverein „Gustav Rau“ Westbevern, die Kirchengemeinde St. Marien und Tourismus+Kultur von der Stadt Telgte. Im Jahr 2026 wird die Kutschenwallfahrt auf Beschluss des Reit- und Fahrvereins Westbevern, der Stadt Telgte und der Kirchengemeinde zum letzten Mal stattfinden.

Mehr bei der Stadt Telgte und beim Reit- und Fahrverein „Gustav Rau“ , Westbevern, Sickerhook 27, 48291 Telgte-Westbevern, Kirchengemeinde St. Marien www.st-marien-telgte.de , Stadt Telgte, Internet: www.telgte.de . Information: Tourismus + Kultur Telgte, Kapellenstr. 2, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 690 100, Internet: www.telgte.de . https://www.telgter-wallfahrt.de/kutschwallfahrt.html

Wallfahrtsziel Telgte: Jedes Jahr finden große regionale Wallfahrten zur über 600 Jahre alten Telgter Muttergottes statt. 1651 ordnete Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen für den 2. Juni eine Prozession der Städte Münster und Warendorf zum Telgter Gnadenbild an, drei Jahre später ließ er die Wallfahrtskapelle errichten. Von 1658 bis 1663 folgte entlang der heutigen Bundesstraße 51 von Münster nach Telgte der Bau des historischen Wallfahrtsweges mit fünf doppelseitigen Bildstöcken zu Stationen aus dem Leben Mariens, ebenso findet sich ein Wallfahrtsweg mit Bildstöcken entlang der Bundesstraße 64 von Warendorf in Richtung Telgte. Nachdem Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg 1701 auch den Kirchengemeinden im westlichen Münsterland die Wallfahrt nach Telgte anordnete, kam es zu einem Aufschwung der Prozessionen. Heute machen über 150.000 Pilger Telgte zur größten Wallfahrtsstadt des Münsterlandes. Drei historisch gewachsene große Wallfahrten gehen von Münster, Osnabrück, Rheine und Warendorf aus. Die Osnabrücker Wallfahrt ist mit regelmäßig 7.500 Teilnehmern die größte Wallfahrt im deutschsprachigen Raum. Auch die Heimatvertriebenen aus Glatz (Niederschlesien) veranstalten jährlich eine Wallfahrt nach und in Telgte.

Gegenstand der Verehrung der Pilger ist das Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes der Propstei- und Wallfahrtskirche St. Clemens. Es wurde um 1370 aus Lindenholz geschaffen und zeigt eine Pietà, den Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Christus im Schoß seiner Mutter Maria. Ursprünglich wurde das Gnadenbild den örtlichen Flurprozessionen (Bittprozessionen) vorangetragen 1904 nahm Papst Pius X. sie in das Verzeichnis der weltweit anerkannten Gnadenbilder auf und ließ sie durch den damaligen Kölner Erzbischof Anton Kardinal Fischer mit einer goldenen, edelsteinbesetzten Krone krönen. Die Krönung wurde zum Höhepunkt des 350-jährigen Jubiläums der Telgter Wallfahrt am 3. Juli 2004 erneuert. „Raum geben“ – so lautet das Motto der diesjährigen Wallfahrten zu den Pilgerorten im Nordwesten Deutschlands.

Kontakt: Wallfahrtsbüro Telgter Wallfahrt, Kardinal-von-Galen-Platz 9, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 93 231 – 11, E-Mail: info@telgter-wallfahrt.de, Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9:00-12:00 Uhr, Di und Do: 15:00 -17:00 Uhr.

  • 14.05.2026
  • Christof M. Beckmann
  • Red
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