Mirjam leidet schon seit ihrer Kindheit an Mukoviszidose. Das ist eine gefährliche Erbkrankheit, die ihre Lunge verklebt. Als sie Mitte 30 ist, kommt es zum Worst Case: Eine schwere Lungenentzündung lässt Miriam nicht mehr richtig atmen: „Das hat zu einem Zusammenbruch, zu einer CO2-Vergiftung geführt. Und dann bin ich ins Koma gefallen“, erzählt sie im Podcast „Hoffnungsmensch“ , der vom Evangelischen Medienhaus Stuttgart produziert wird.
Für Mirjam beginnt im Koma ein Kampf um Leben und Tod. Für ihre Familie und die Ärzte ist dieser Kampf schrecklich mit anzusehen – aber Mirjam selbst erlebt ihr Sterben ganz anders: „Ich war an einem Ort. Nur hell, nur schön. Ich kann das auch nur mit Liebe und Wärme erklären. Mein Mann sagte später mal: Ich habe gefühlt, du willst da nie wieder weg.“ Die junge Frau und gläubige Christin ist überzeugt: Sie ist jetzt im Himmel und sie begegnet Gott: „Es war wie eine ganz helle Wolke, die aber nicht nur vor mir stand, sondern mich vollkommen umgeben hat.“
War das ein reales Erlebnis oder doch nur eine Art Halluzination – ausgelöst durch den Sauerstoffmangel?! Die Wissenschaft ist unsicher, was es mit solchen Nahtoderfahrungen auf sich hat. Manche gehen davon aus, dass sie durch das sterbende Gehirn ausgelöst werden. Mirjam Hentschel sagt dazu: „Für mich ist das wirklich. Egal, wie jemand das bewertet, was die Wissenschaft daraus macht. Ich habe das an dieser Stelle so erlebt, durfte wieder zurückkommen. Aber ich habe das Wissen. Wenn der Moment kommt, an dem ich gehen werde, werde ich das wieder haben dürfen.“
Für den evangelischen Pfarrer Andreas Bieneck sind solche Berichte „keine Beweise, aber sehr wohl Hinweise darauf, dass unser Auferstehungsglaube Hand und Fuß hat“. In seiner Zeit als Krankenhaus-Seelsorger an der Bonner Uniklinik hat Bieneck zusammen mit zwei katholischen Kollegen mehr als 50 solcher Nahtod-Erfahrungen gesammelt von Menschen, die schon einmal an der Schwelle zum Tod standen und überlebt haben. Die authentischen Berichte sind unter dem Titel „Ich habe ins Jenseits geblickt“ auch als Buch veröffentlicht worden.
Die dort dokumentierten Erfahrungen weisen in mehrfacher Hinsicht Übereinstimmungen auf: So berichten die Menschen davon, dass sie ihren eigenen Körper verlassen und sich quasi von außen selber betrachtet hätten. Krankenhauspatienten konnten nach der Rückkehr ins Leben genau erzählen, wer bei ihrer Behandlung am OP-Tisch gestanden hat und wer in welcher Reihenfolge medizinische Handlungen an ihnen vorgenommen hat. Viele Nahtod-Berichte sprechen außerdem von einem hellen Licht, auf das man zuschweben würde, zum Teil auch von Begegnungen mit bereits verstorbenen Angehörigen. Übereinstimmend wird auch immer wieder von einem Hindernis (z.B. ein Tor oder Zaun) berichtet, das es auf dem Weg zum Licht zu überwinden galt. Viele hätten an diesem Punkt an noch lebende Familienangehörige gedacht, die sie zurücklassen würden und sich dann vor diesem Hindernis zur Umkehr entschieden. Die Rückkehr in den eigenen Körper wird vielfach als „schmerzvoll“ beschrieben.
Noch herrscht Unklarheit, wie solche Berichte zu bewerten sind: Sind sie das Ergebnis psychologischer, hormongesteuerter oder neurologischer Vorgänge im Prozess des Sterbens – eine Art „großer Abschiedsknall“ vor dem endgültigen Nichts – oder öffnet sich hier tatsächlich das Tor in eine neue, unbekannte Dimension des menschlichen Seins? Christen würden wohl die zweite Antwort vertreten, denn sie beten in ihrem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung von den Toten und das ewige Leben. Amen.“
Buchtipp:
Andreas Bieneck / Hans-Bernd Hagedorn / Walter Koll (Hrsg.):
„Ich habe ins Jenseits geblickt.
Nahtoderfahrungen Betroffener und Wege, sie zu verstehen“
Neukirchener Verlag, 232 Seiten
Das Buch ist vor mehr als 20 Jahren erstmals erschienen und dokumentiert neben 38 Nahtod-Berichten auch weitere Beiträge zum Thema aus medizinischer und theologischer Sicht.

