Jesus to a Child

Der Beitrag zum Nachlesen:

1996. Das war noch gute Musik oder? Die Spice Girls hatten „Wannabe“ in den Charts, Take That „How Deep Is Your Love“, Stefan Raab überraschte mit „Hier kommt die Maus“. Und dann ist da noch George Michael mit „Jesus to a Child“. Inzwischen denke ich, das ist einer der wichtigsten Songs des Jahres 1996.

„Jesus to a child“ ist ein Liebeslied. Und er ist ein Trauer- und Trostlied. George Michael verarbeitet darin den Tod seines Partners Anselmo Feleppa, der 1993 an den Folgen von AIDS stirbt. In den 1980er- und 90er-Jahren ist AIDS mehr als eine Krankheit. Es ist ein gesellschaftliches Stigma. HIV/AIDS wird vor allem mit homosexuellen Männern und mit Drogenabhängigkeit verbunden. Viele Betroffene erleben Ausgrenzung, seelische und körperliche Gewalt, haben Angst, offen über ihre Krankheit zu sprechen. Heute wird HIV/AIDS nicht mehr nur mit homosexuellen Männern, sondern oft pauschal mit der LGBTQIA+-Community in Verbindung gebracht. Und Ausgrenzung ist auch heute oft noch die Folge eines Outings.

In der Kirche ist Homosexualität ein schwieriges Thema. Es gibt viel Solidarität, ja. Und es gibt Gemeinden, die als sichere Orte wahrgenommen werden. Und es gibt Ablehnung und offene Feindseligkeit gegenüber der gelebten Vielfalt. Der Song „Jesus to a Child“ erinnert mich daran, dass Jesus zu den Menschen gegangen ist, mit denen sonst keiner etwas zu tun haben wollte. Und dass Mitgefühl heilsam ist. Also mehr George Michael hören, mehr informieren, mehr solidarisieren und überhaupt mehr Mitgefühl zeigen.

  • 24.01.2026
  • Max Testermann
  • Red
Jesus to a Child
  • AM260124-Audio