Karfreitag: Was macht Stille mit uns?


INFO: Ruhe statt Reizflut – Forschende erkunden die Macht der Stille – Freiburg (KNA) „Es gibt keinen Input mehr. Du hast sozusagen nur noch dich selbst“: So reagiert der Teilnehmer einer Freiburger Studie auf eine längere Phase der Stille. Wissenschaftler blendeten beim Versuch in der Breisgaustadt äußere Einflüsse aus: Frauen und Männer wurden in einem Wassertank mit hohem Salzgehalt in eine Art Schwebezustand versetzt.

Die meisten von ihnen empfanden die einstündige, mit Dunkelheit verbundene Stille als sehr angenehm, wie die Forscher resümieren. Stille werde häufig als eine „allmähliche Reise nach innen“ beschrieben sowie als sicher und vertraut empfunden.

„Wir setzen die Stille ins Zentrum der Forschung. Das ist vielleicht im deutschsprachigen Raum etwas Einmaliges“, sagt der Psycho- und Musiktherapeut Eric Pfeifer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er lehrt an der Katholischen Hochschule der Schwarzwaldmetropole Ästhetik und Kommunikation. Mit dem Psychologen Marc Wittmann erkundet der aus Westösterreich stammende Pfeifer schon seit über zehn Jahren die Stille. Daraus wurden inzwischen die „Freiburger Stille-Studien“, die auch international auf Interesse stoßen.

Ein Grund für die Forschung aus dem Südwesten liegt auf der Hand: In der modernen Welt mit Verkehr, Industrie, Bildschirmen und Telefonen wird Stille zur Mangelware – und damit zur gefragten Ressource. Der Europäischen Umweltagentur zufolge sind über 110 Millionen Menschen in Europa Verkehrslärm auf hohem Niveau ausgesetzt. Das entspreche gut einem Fünftel der gesamten Bevölkerung. Die langfristigen Folgen seien Stress, gestörter Schlaf, Krankheiten und auch vorzeitige Todesfälle, bilanziert die Behörde.

Pfeifer nennt einen weiteren Beweggrund, der mit seiner eigenen Biografie zusammenhängt. Er sei in den österreichischen Alpen groß geworden, das Bundesland Vorarlberg sei stark vom Tourismus geprägt. In den Bergen habe sich für ihn oberhalb der Baumgrenze etwas verändert. Die Luft sei klarer geworden – und es habe Stille geherrscht. Dazu kam der Blick ins Tal und in die Ferne.

Die Freiburger Forscher fanden heraus, dass schon kurze Phasen von Stille Entspannung und bessere Stimmung auslösen können. „Wir arbeiten in der Regel mit sechseinhalb Minuten Stille“, berichtet der 44-jährige Pfeifer. Diese Zeitdauer beruhe unter anderem auf Erfahrungen aus der Musiktherapie.

Manchmal erleben die Teilnehmenden diese Ruhephase allein in einem Raum, ein anderes Mal in einer Gruppe, in einem Saal, im städtischen Park oder im Wald. Die „Wassertank“-Studie mit langer Stille und Dunkelheit ist also eher die Ausnahme. Regeln gibt es auch: Kandidatinnen und Kandidaten müssen während der Stillephase sitzenbleiben und wach sein. Was sie in der Zeit machen, bleibt ihnen überlassen, doch Mobiltelefone und andere Geräte sind tabu.

Darf im Hintergrund auch mal ein Vogel zwitschern? „Absolute Stille gibt es nicht“, antwortet der Hochschullehrer. Sie versuchten, Bedingungen zu schaffen, die dem Gedanken einer relativen Stille entsprechen.

Am Ende einer Untersuchung stehen statistische Zahlenwerte. Die Experten arbeiten üblicherweise nicht mit Elektroenzephalografie (EEG). „Bei einer Studie, die mit einer therapeutischen Tiefenentspannung verbunden war, haben wir jedoch mit EEG Gehirnströme gemessen, die etwas über Entspannung aussagen“, berichtet Pfeifer. Einen Bezug zur Religion gibt es auch. Schon seit Langem bieten Klöster auch vorübergehende Aufenthalte zum Schweigen und für Exerzitien an. Kirchen sind nach den Worten von Pfeifer vor allem in Großstädten Rückzugsorte für Stille. Würden Kirchengebäude aufgegeben, fielen stille Orte in der Gesellschaft weg, warnt der Forscher.

„Die katholische Kirche hat eine gewisse Stille-Verantwortung. Wenn Kirchengebäude aufgegeben werden, sollten den Menschen Vorschläge gemacht werden, wie sie weiter Stille erfahren können“, mahnt der Wissenschaftler. Schließlich ist er fachlich wie persönlich überzeugt: „Stille kann helfen, über sich selbst hinauszugehen und sich der Welt zuzuwenden.“ Von Christian Böhmer (KNA)

Kontakt: Seite von Prof. Dr. Eric Pfeifer: https://eric-pfeifer.de/
– Katholische Hochschule Freiburg zu Stille-Studien:
https://www.kh-freiburg.de/de/hochschule/news/2025/10-08-freiburger-stille-studien

Die Kar-Woche
Eine Woche vor Ostern feierte die Kirche mit dem Palmsonntag den Einzug Jesu Christi nach Jerusalem, wo er seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung entgegenging. Daran wird in der laufenden Woche (Große Woche/Heilige Woche/Karwoche) nun gedacht. Das Wort „Kar” stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer”, „Klage” oder „Kummer”.

Der Karfreitag, gesetzlich geschützter „stiller Feiertag”, ist der Gedächtnistag der Kreuzigung. Er wird als Fasttag und als Zeichen der Trauer in Stille begangen. Am Nachmittag – meist zur „6.Stunde“ um 15 Uhr – versammeln sich die Christen zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte und zur Kreuzverehrung: Das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird nach und nach enthüllt und durch Kniebeugen verehrt. Anschließend folgt eine Kommunionfeier. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitags Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt.

Der Karfreitag in Rom beginnt um 17 Uhr mit einer Papstliturgie im Petersdom. Nachdem im vergangenen Jahr die Osterfeierlichkeiten aufgrund der Erkrankung von Franziskus weitgehend in Abwesenheit des Papstes stattfanden, will Leo XIV. allen geplanten Feiern vorstehen – so auch der Karfreitagsliturgie am 3. April um 17 Uhr im Petersdom und dem anschließenden Kreuzweg um 21.15 Uhr am römischen Kolosseum. Die Kreuzwegandacht, bei der Gläubige im Schein von Kerzen an den Weg des Leidens und Sterbens Jesu über 14 Stationen erinnern, zählt zu den eindrücklichsten Feiern der Kar- und Ostertage in Rom.

  • 03.04.2026
  • Stefan Klinkhammer
  • Red
Karfreitag: Was macht Stille mit uns?
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