INFO: Die Kapelle Klein-Jerusalem nordöstlich der Ortslage von Neersen, einem Stadtteil von Willich, gehört zur Neersener Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis. Die gerne auch für Hochzeiten genutzte Pilgerstätte ist Zentrum für ein jährliches Schützenfest.
Die Wallfahrtskapelle ist eng mit dem Leben des Initiators und Bauherrn Gerhard Vynhoven (1596–1674) verbunden, der auf dem Vennhof in der Nähe der heutigen Kapelle geboren wurde. Nach dem Theologie-Studium im französischen Douai wurde er 1621 zum Priester geweiht, war 1621-1623 Pfarrer in Anrath und brach anschließend zu einer fünfjährigen Reise nach Palästina auf. 1632 übernahm er die Pfarre in Osterath, wurde Rektor der Wallfahrtskapelle von Stalleiken bei Wattenscheid und 1642 Feldkaplan bei dem Reitergeneral Johann (Jan) von Werth, der aus dem benachbarten Büttgen stammte. Auch über das Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb er ihm verbunden und war bis 1652 bei von Werth in Böhmen. 1651 zum Prälaten ernannt, kehrte er 1652 nach Neersen zurück und wurde Hauspriester des dortigen Freiherrn Adrian Wilhelm von Viermund.
1654 nahm er mit dessen großzügiger Unterstützung nah bei seinem Geburtshaus den Bau einer Kapelle in Angriff, um den vom Dreißigjährigen Krieg erschütterten Menschen „die ersten und die letzten Tage des Herren anschaulich vor die Seele zu stellen“. Es entstanden die Geburtsgrotte in Bethlehem und das Heiligen Grab in Jerusalem als präzise Nachbildungen im Maßstab 1:50. Dazu hatte er von seinen zwei oder drei Reisen nach Palästina Skizzen und Zeichnungen mitgebracht. Die Kapelle wurde 1661 fertiggestellt und wurde unter dem Namen „Klein-Jerusalem“ am gesamten Niederrhein und bis weit in die Niederlande bekannt. Zur Stiftung gehörten auch eine Schule und Ländereien. Nach seinem Tod im Jahr 1674 wurde Vynhoven in der Krypta der Kapelle beigesetzt.
Knapp 100 Jahre später, 1771, übernahm das Minoritenkloster Neersen die Stiftung, die während der Säkularisation enteignet und säkularisiert wurde. Französischen Besatzungstruppen nutzten das Gebäude wurde als Scheune, Wallfahrten und Gottesdienste waren verboten. Nach 1814 nahm man Wallfahrten und Gottesdienste jedoch wieder auf, die im 20. Jahrhundert vorübergehend einschliefen. Nach Restaurierungsarbeiten 1979-82 hat die Matthiasbruderschaft Niederrhein die Wallfahrtstradition in den 1980er-Jahren wieder zum Leben erweckt. An den Festen Christi Himmelfahrt, Mariä Geburt und am Antoniustag wird die Messe gefeiert, auch eine Mitternachtsmesse an Heiligabend und eine Trauermette am Karfreitag. Man kann die Kapelle jeden zweiten Sonntag im Monat zwischen 14 und 16 Uhr besichtigen. Sie ist von der Autobahn 44 ab der Ausfahrt Neersen ausgeschildert.
Adresse: Kapelle Klein-Jerusalem, Vinhovenplatz, 47877 Willich-Neersen; Offene Kapelle an jedem 2. Sonntag im Monat, 14-16 Uhr, Kontakt: Pfarrbüro Str. Mariä Empfängnis in Neersen, Tel. 02156 / 5205; E-Mail: pfarrbuero-neersen@st-anne.de.
Unser Gesprächspartner: Herbert Becker, Interessengemeinschaft IG Kapelle Klein-Jerusalem, Anmeldung für Führungen: Tel. 0152 / 53 33 25 45, E-Mail: info@ig-kapelle-klein-jerusalem.de.

