Matthias Mertens: Standhaft in bewegter Zeit

INFO: „Wenigstens eine durchschnittliche Phantasie würde nicht ausreichen, die Geschehnisse hinter den Stacheldrahtzäunen des dritten Reiches einfachhin zu erfinden“, so schrieb er rückblickend auf seine eigene Haft im KZ Dachau: „Wollte aber einer ihre Einzelheiten schildern, ohne ihr Zeuge gewesen zu sein, so müsste man schon eine Erfindungsgabe von wahrhaft krankhaften Ausmaßen voraussetzen.“

Jetzt war das Schicksal von Matthias Mertens (* 5. Dezember 1906 in Straelen; † 1. Februar 1970 in Gaesdonck) erneut Gegenstand intensiver Nachforschungen. „Er hinterließ das Bild eines Mannes, der durch die Hölle von Dachau gegangen war, die Vergebung predigte und trotz eigener schwerster Wunden bis zuletzt der Gemeinschaft diente“ – dieses Fazit zieht die 32-seitige Begleitschrift, die zu der bis zum 1. März in der Kirche St. Josef Oberhausen-Schmachtendorf gezeigten Ausstellung „Kaplan Mertens – Standhaft in bewegter Zeit“ erschienen ist.

Gedenkausstellung: Am 1. Februar 2026 eröffnete mit einer Messe eine Gedenkausstellung „Kaplan Mertens – Standhaft in bewegter Zeit“, die bis zum 1. März in der Kirche St. Josef in Oberhausen-Schmachtendorf gezeigt wird. Sie besteht aus 26 Rollups, Akten und weiteren Exponaten. Kooperationspartner für die Ausstellung des Fördervereins St. Josef Schmachtendorf unter Vorsitz von Thorsten Engler sind der Heimatverein Schmachtendorf, die Heinrich-Böll-Gesamtschule, die Gedenkhalle Oberhausen und das Bischöfliche Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonk, unterstützt durch die Christliche Stiftung Zukunft Mensch, die Sparkassen-Bürgerstiftung und den Pfarrgemeinderat St. Clemens.

Öffnungszeiten: Di-Sa 9.00-17.00, So 12.30-15 Uhr

Stolperstein am 10. Februar 2026: Zur Stolperstein-Verlegung mit Gunther Demnig am Dienstag, 10. Februar 2026 um 9 Uhr an der Kirche St. Josef in Oberhausen-Schmachtendorf wird herzlich eingeladen.

Matthias Mertens: Der aus Straelen gebürtige Niederrheiner hatte sich nach Abitur an der Gaesdonk mit 21 Jahren im Sommersemester 1927 an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster eingeschrieben und schloss das Studium nach seinem Freisemester 1929/30 an der Universität Bonn in Münster ab. Am 17. Dezember 1932 wurde er im Dom zu Münster zum Priester geweiht.

Als Kaplan an St. Anna in Materborn (heute Kleve-Materborn) wurde er von der NSDAP bespitzelt, 1935 in einem Sondergerichtsprozess in Düsseldorf wegen Verstoß gegen das „Heimtückegesetz“ angeklagt, aber freigesprochen. Er wurde versetzt und ging als Kaplan an der Pfarrei St. Josef in Sterkarde-Schmachtendorf, heute Oberhausen. Auch hier wurden seine Predigten mitgeschrieben, es folgten Anzeigen wegen „verbotener Vereinstätigkeit“ und „aggressiver Predigten“. Er verlas 1941 die Bischofsworte seines Bischofs Clemens August von Galen, wurde bei der Gestapo-Leitstelle Düsseldorf vernommen, verbrachte zwei Monate im Polizeigefängnis Oberhausen und war ab 17. April 1942 im Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau.

Hier traf er Karl Leisner wieder, den er aus Materborn kannte und war bei dessen Priesterweihe 1944 mitten im KZ einer der anwesenden Mitfeiernden. Beim Anrücken der Amerikaner im April 1945 lungenkrank entlassen, kehrte er nach Wachtendonk zurück und wurde von Bischof Clemens August Graf von Galen in Münster empfangen.

Matthias Mertens trat wieder seine Stelle als Kaplan in St. Josef in Sterkarde-Schmachtendorf an, doch er blieb von der Haft gezeichnet: 1947 musste er wegen Lungentuberkulose in stationäre Behandlung, war ab 1948 mit der Seelsorge am Prosper-Hospital in Recklinghausen beauftragt, wurde jedoch bis 1949 in einer Spezialklinik in Arosa (Schweiz) behandelt. Ab 1953 kehrte Matthias Mertens als Spiritual und Prokurator an sein altes Gymnasium, das Collegium Augustinianum an der „Gaesdonk“ zurück.

Als er am 1. Februar 1970 an Leberkrebs starb, wurde er dort unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Beim Requiem konzelebrierten nahezu 100 Mitbrüder, darunter fast alle noch lebenden Dachauer Mithäftlinge aus der Diözese Münster.

 

Gedenken in Schmachtendorf: In Oberhausen-Schmachtendorf blieb Mertens nicht vergessen. 1986 wurde die Gregorstraße in „Kaplan-Mertens-Weg“ umbenannt und 1987 auf dem Vorplatz der Pfarrkirche St. Josef Schmachtendorf an der Hiesfelderstraße eine Gedenkstele für Kaplan Matthias Mertens errichtet. Er trägt die Inschrift „Matthias Mertens / 1906-1970 / Kaplan in der Pfarrei St. Josef /1935-1947 / NS-Verfolgter / Konzentrationslager Dachau / 1942-1945″.

  • 10.02.2026
  • Christof Beckmann
  • Red
Matthias Mertens: Standhaft in bewegter Zeit
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