INFO: Es ist eines der größten und ältesten Volksfeste in Deutschland: Jedes Jahr Ende Juli bietet Paderborn eine einmalige Mischung aus kirchlichen Feierlichkeiten und weltlichem Fest. Der Hintergrund liegt weit zurück: 799 gründeten Karl der Große und Papst Leo III. das Bistum Paderborn. Um das junge Bistum enger an die Traditionen älterer christlicher Regionen zu binden, ließ der dort von 815–862 tätige zweite Bischof Badurad Reliquien eines frühchristlichen Heiligen aus der ehemaligen römischen Provinz Gallien das neue Bistum überführen. 836 erreichten Gebeine des Hl. Liborius die Stadt, der um 320-397 lebte, der den mittelalterlichen Legenden nach 47 Jahre Bischof von Le Mans und ein Freund des hl. Martin von Tours war.
Die damals begründete Gebetsverbrüderung zwischen den beiden Domkapiteln gilt als Beginn des bis heute andauernden „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“ zwischen den beiden Bistümern und Städten, der ältesten nachweislichen und bis heute bestehenden Städtefreundschaft der Welt. Die Liborikirmes geht auf den im Jahr 1521 ins Leben gerufenen „Magdalenenmarkt“ zurück. Die Kirmes wurde 1857 auf den Liboriberg verlegt, der „Pottmarkt“ findet bis heute rund um den Dom statt.
Der Gedenktag des heiligen Liborius ist der 23. Juli. Das Liborifest wird stets am darauffolgenden Samstag eröffnet, dieses Jahr am 25. Juli. Paderborns „fünfte Jahreszeit“ und die Festtage zu Ehren des Bistums- und Stadtpatrons beginnen mit der Erhebung der Gebeine des Schutzpatrons von Dom, Bistum und Stadt. Das Fest steht in diesem Jahr vom 25. Juli bis zum 2. August unter dem Motto „Mittendrin – Libori 2026“.
Auszug aus der Mitteilung des Erzbistums: „Trotz seiner Kürze weckt es sofort eine Fülle von Assoziationen: Wir sind zu Libori mittendrin in der Glaubensfreude. Mittendrin in der puren Lebensfreude von Kirmes oder Kultur-Events. Mittendrin in der Begegnung: im Miteinander unterschiedlicher Menschen, die aus unserer ganzen Diözese und weit darüber hinaus nach Paderborn kommen, um zusammen Libori zu feiern.“
Zahlreiche Veranstaltungen versammelt das Erzbistum auf einer Spezialseite im Internet .
Libori-Begleiter 2026 (als pdf )
Programm heute, Sonntag, 26.07. im Hohen Dom zu Paderborn: 7.00 Uhr: Eucharistiefeier – 9.00 Uhr: Pontifikalamt mit Päpstlichem Segen und anschließender Prozession (auch in Deutscher Gebärdensprache) – 12.00 Uhr: Eucharistiefeier – 15.00 Uhr: Rosenkranzgebet – 16.00 Uhr: Andacht Liboribruderschaft – 17.00 Uhr: Deutsche Vesper – 18.00 Uhr: Abendmesse
Liborius von Le Mans: Stadt und Erzbistum Paderborn feiern seit 836 den gemeinsamen Patron, den heiligen Liborius (um 320-397), Bischof von Le Mans in der römischen Provinz Gallien und Freund des hl. Martin von Tours. Seine Gebeine wurden auf Initiative des Paderborner Bischofs Badurad, in das junge Bistum an der Pader überführt – der Beginn des bis heute andauernden „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“. Aus dem Leben des Heiligen selbst ist nur wenig überliefert. Er stammte aus einem vornehmen gallischen Geschlecht, war von der römischen Kultur geprägt und wurde 348 zweiter Bischof des Bistums Le Mans als Nachfolger des heiligen Julian – er ist dort heute Bistumspatron. Fast ein halbes Jahrhundert soll Liborius laut Überlieferung als Bischof von Le Mans segensreich gewirkt haben und der Überlieferung zufolge der 23. Juli 397 gestorben sein. Schon bald nach dem Tod des Liborius wurden Heilungswunder von seinem Grab berichtet.
Dem Bild des Heiligen und seinem Namen begegnet man an vielen Stellen in der Paderstadt. Dabei ist Liborius an den Steinen zu erkennen, die er auf seiner Bibel balanciert, denn der Heilige wurde zum Fürbitter und Helfer bei Nieren-, Blasen- und Gallensteinen. Häufig abgebildet wird er auch mit seinem „Wappentier“, dem Pfau, auch Wahrzeichen des Liborifestes. Denn der Sage nach flog der Paderborner Gesandtschaft auf ihrem Heimweg ein prächtiger Pfau voran. Immer wenn die Pilger einen Halt einlegten, ruhte auch der Pfau; wenn sie aufbrachen, erhob sich der Vogel wieder. Am Pfingstsonntag 836 ließ er sich auf der Turmspitze des Paderborner Domes nieder. Sobald die Gesandten mit den Reliquien in die Kirche eingezogen waren, fiel der Pfau, der seine Mission erfüllt hatte, tot zu Boden, so die Legende. Noch heute wird bei den Liborifeiern dem Liborischrein ein Pfauenwedel vorangetragen.
Als im Dreißigjährigen Krieg der Paderborner Domschatz und der Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius von Landsknechten des lutherischen Herzogs Christian von Braunschweig geraubt wurden, gelang es, die Reliquien nach fünf Jahren zurückzuerlangen – der Gedenktag an die „Rückkehr“ des Heiligen nach Paderborn wird jährlich am 25. Oktober als „Klein-Libori“ begangen.

