INFO: Unter dem Titel „Zur Ehre Gottes?!“ – Zeitgenössische liturgische Gewänder von Thomas Schmitt und David Valles-Fernàndez“ zeigt die Schatzkammer im Geistlichen Zentrum Kloster Kamp am Abteiplatz 24 seit dem 28. März eine Vielfalt zeitgenössischer Paramente. Die Gewänder des renommierten Kölner Herrenschneiders sind u.a. in der Liebfrauenkirche München und in der Hedwigskathedrale Berlin in Verwendung. Aus u. a. Seide und Japangold kreiert Schmitt zeitgenössische Einzelstücke, die u.a. schonmal vom Festkomitee Kölner Karneval finanziert wurden. Auf der dazugehörigen Stola, die beim jährlichen Narren-Hochamt im Hohen Dom getragen wird, findet der erstaunte Betrachter das Vater Unser auf Kölsch. Auch Papst Franziskus „trug Schmitt“.
Schatzkammer im Geistlichen Zentrum Kloster Kamp: Die Schatzkammer ist dienstags bis samstags von 14.-17.00 Uhr und sonntags/feiertags von 11.-17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3,- Euro. Kostbarstes Ausstellungsstück ist das „Kamper Antependium“, ein Altarvorhang aus dem 14. Jahrhundert, den wir im Obergeschoss präsentieren können. Im Erdgeschoß finden mehrfach pro Jahr Wechselausstellungen statt.
Der Museumsshop lädt zum Stöbern ein. Ein Museumsführer (4,-€), begleitet mit vielen Fotos und im handlichen Pocket-Format Schritt für Schritt durch die Ausstellung. Am Museumseingang kann man während der Öffnungszeiten kostenlos eine E-Bike-Ladestation nutzen. Die Schlüssel zu den beiden Ladeboxen gibt es ausschließlich an der Museumskasse (Abteiplatz 24).
Öffnungszeiten & Eintritt – Museum: Dienstag – Samstag 14.00 – 17.00, Sonntag & Feiertag 11.00 – 17.00, Eintritt Einzelperson 3,00 €, Gruppe (ab 10 Personen) 2,00 € p. P., Familie 6,50 €. Zentrum Kloster Kamp ist familienfreundlich und gehört zu den Gründungsmitgliedern der „Family Card“ des Kreises Wesel. Inhaber dieser Karte haben bei uns freien Eintritt.
Kontakt – auch zu unserem Gesprächspartner und Leiter des Zentrums, Dr. Peter Hahnen: Geistliches und Kulturelles Zentrum Kloster Kamp e.V., Abteiplatz 13, 47475 Kamp-Lintfort, Tel. 028 42 / 92 75 40, Fax 028 42 / 92 75 41, E-Mail: zentrum-kloster-kamp@t-online.de, Internet: https://kloster-kamp.eu/abteikirche .
Kloster Kamp: Das ehemalige Zisterzienser-Kloster erinnert in diesem Jahr mit einem speziellen Veranstaltungsprogramm an seine Gründung vor genau 900 Jahren. Es wurde am 31. Januar 1123 durch Stiftungsurkunde des Kölner Erzbischofs Friedrich I. ins Leben gerufen und war damit das erste Kloster des noch jungen, aus Frankreich stammenden Zisterzienserordens im deutschsprachigen Raum. Die zwölf Gründermönche stammten aus Morimond, einem der vier Töchterklöster von Cîteaux, die ihr Kloster in der niederrheinischen Sumpflandschaft schließlich auf dem Kamper Berg errichteten. Trotz Armutsgelübde wurde es eines der reichsten Klöster des rasch wachsenden Ordens überhaupt. Von Kloster Kamp gingen gut ein Dutzend direkte Tochtergründungen aus, unter anderen Volkenroda in Thüringen, Neuzelle bei Frankfurt/Oder und Marienkroon in den Niederlanden. Auf dem Höhepunkt standen 60 Männer- und 24 Frauenklöster unter direkter Aufsicht der Äbte von Kamp – von den Niederlanden bis nach Thüringen und Anhalt.
Ende des 13. Jahrhunderts erstreckten sich die eigenen Wirtschaftshöfe des Klosters von Köln bis nach Utrecht. Doch verschiedene Kriege an Niederrhein und Maas, ein Brand in der mittelalterliche Bibliothek 1463 sowie ein Erdbeben 1504 hinterließen Zerstörungen. Ende des 16. Jahrhunderts verteilten sich die Mönche auf Neuss und Rheinberg und erst Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg gingen sie ab 1683 wieder an den Aufbau der heutigen Klosterkirche. Ab 1700 konnten Schulden abgebaut und neue Güter gekauft werden. Zum Ausweis der letzten Blütezeit wurde der um 1740 durch Abt Franziskus Daniels errichtete und mit Wasserspielen versehene Terrassengarten, damals ein reiner Obst- und Gemüsegarten. Die Aufhebung des Klosters kam mit der Französischen Revolution: Napoleon löste 1802 das Kloster Kamp auf und die letzten 27 Zisterzienser-Mönche wurden verstreut. Ein Mönch blieb, und ein Flügel des Klosters wurde zum Pfarrhaus. Aller Besitz war eingezogen, die Gebäude wurden auf Abbruch verkauft.
Neben der Abteikirche sind heute nur noch zwei einstige Klostergebäude erhalten. Das einstige Krankenhaus wurde von 1954 bis 2002 noch von einer Karmeliten-Gemeinschaft bewohnt und zeigt einen bemerkenswerten Rokoko-Saal, daneben gibt es Reste der einstigen Prälatur aus dem 18. Jahrhundert. Die historischen Gärten, in den 1980er Jahren nach barockem Vorbild neu angelegt, waren 2020 Ort der Landesgartenschau. Seit 2003 ist das Kloster als „Geistliches und Kulturelles Zentrum“ Ort für Besinnungstage, Kunst- und Kulturveranstaltungen wie die Kamper Konzerte, Ausstellungen, Kammermusik, Lesungen oder Genießerabende. Kurzführungen „Kloster Kamp erleben“ (60 Minuten), Klosterführung inkl. Schatzkammer (90-120 Minuten,) Bibliotheksführung (45 Minuten) oder Museumsführung (60 Minuten). Kontakt: 028 42 – 92 75 40. „Der Segen von Kloster Kamp“: kurze Andachten am 13. eines jeden Monats um 18.30 Uhr in der Abteikirche Kamp, Dauer: ca. 30 Minuten, keine Anmeldung erforderlich. Das Geistliche und Kulturelle Zentrum Kloster Kamp im Luftbildpanorama von SOLIDGROUND MEDIA aus Moers hier .
Der Zisterzienserorden mit heute rd. 2.800 Mitgliedern weltweit entstand durch Reformen im Benediktinerorden . Sie führen in der Tradition der Gründer des 1098 gegründeten Neuklosters in Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit. Für ihren Aufstieg sorgte vor allem der heilige Bernhard von Clairvaux, der mit 30 Gefährten 1112 dem strengen Reformkloster von Cîteaux beitrat und mit 25 Jahren zum Abt zur Neugründung des Klosters Clairvaux gewählt wurde, das bald 700 Mönche zählte. Bis zu Bernhards Tod 1153 wurden allein von Clairvaux aus 67 Klöster in ganz Europa gegründet. Der „Konzern der weißen Mönche“ überzog den europäischen Kontinent mit einem Netzwerk an Niederlassungen. Das erste deutsche Zisterzienserkloster war das 1123 gegründete Kloster Kamp (Kamp-Lintfort), es folgten weitere Gründungen in Altenberg (1133), Himmerod (1134), Heisterbach (1192) und Marienstatt (1212). Allein im Rheinland, in der Eifel und im Westerwald errichtete der Orden so in nur 150 Jahren 650 Klöster nach der Regel des Hl. Benedikt (um 480-547). Zwischen 1200 und 1250 entstanden auch ca. 160 Frauenklöster des Ordens im deutschen Sprachraum. Das für alle Klöster verbindliche Regelwerk, die „Carta caritatis“, die „Urkunde der Liebe“, forderte eine Reduktion auf das Wesentliche in Lebensführung, Kunst und Architektur. Um 1300 war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas vertreten und zählte ca. 700 Niederlassungen, auf dem Gebiet des späteren Deutschlands entstanden insgesamt 91 Männerklöster. Mehr: http://www.ocist.org/ . Die ganze Benediktregel zum Download
Buch: „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“, erschien 2017 als Begleitbuch zur Ausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn mit 300 farbigen und meist großformatigen Abbildungen, Buchhandel 29,95 Euro, ISBN: 978-3-8062-3492-3. Mehr: „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“

