Museumsmoment


Kennt ihr das? Ihr seid mit Freunden verabredet: Konzert, Kino, Museum … alle sind begeistert, aber euch spricht’s so gar nicht an? Theresa Demski ist das passiert. Warum sie am Ende aber doch einen schönen Tag im Museum hatte, das erzählt sie im „Augenblick mal!“

 

Zum Nachlesen:

Das Museum Ludwig in Köln stellt noch bis August die Werke von Yayoi Kusama aus. Die Ausstellung ist so gefragt, dass es gar nicht so leicht ist, Tickets zu bekommen. Das hat vor allem mit ihren legendären Infinity-Rooms zu tun – riesigen Installationen, in denen man sich verlieren kann. Und die vor allem so schön für Insta taugen.

Ich will das sehen: Die Farben, die Installationen, die Special Effects. Als ich da bin, ist es aber vor allem voll. Und so richtig will die Kunst nicht zu mir durchdringen. Unzählige Punkte, Strukturen, Phallus-Symbole. Yayoi Kusama spricht einfach nicht zu mir.

Und dann das: Mitten im Gedrängel, vor einer weißen Tafel mit vielen Worten steht ein regungsloser Besucher. Ihm laufen Tränen über das Gesicht. Als würde er von dem Trubel nichts mitbekommen. Als könne er die Besucher mit Handys auf der Suche nach dem besten Motiv ausblenden. Ich stelle mich dazu, halte Abstand und beginne zu lesen – von der japanischen Künstlerin, von ihren psychischen Problemen, ihrer Sehnsucht nach dem Tod und ihrer Entscheidung 1977, den Rest ihres Lebens in einer Klinik für Psychiatrie zu verbringen. Ich lese, wie ihr die Kunst das Leben gerettet hat und jeden Tag neu rettet.

Der Mann steht immer noch neben mir. Dann wischt er sich die Tränen ab, scheint sich ein bisschen zu strecken, etwas zu wachsen und geht weiter. Irgendwie aufrecht. Das ist mein Museums-Moment: Einer macht dem anderem Mut. Statt effektreicher Fotos nehme ich an diesem Tag die Hoffnung mit, dass wir uns auch in aufreibenden Zeiten gegenseitig stützen und ermutigen können. Und vielleicht können wir uns sogar gegenseitig zu Lebensrettern werden.

Theresa Demski von der Evangelischen Kirche für „Augenblickmal!“

  • 27.04.2026
  • Max Testermann
  • Red
Museumsmoment
  • AM260427