Ostern: Wer war Maria Magdalena wirklich?


INFO: „Sie erzählten es den Aposteln. Doch die Apostel hielten diese Reden für Geschwätz und glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war ….“ – so heißt ers u.a. beim Evangelisten Lukas über den Besuch der Frauen am Grab und die Auferstehung. IM ersten Evangelium nach Matthäus, das etwa 80/90 n. Chr entstanden ist und aus älteren Quellen schöpft, wird berichtet (Mt 28,1-10):
„Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!
Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“

Die Stelle in den anderen Evangelien:
Markus: Die Frauen am leeren Grab (Mk 16,1-8)
Lukas: Die Frauen und Petrus am leeren Grab (Lk 24,1-12)
Johannes: Das leere Grab (Joh 20,1-10)

Maria Magdalena: 2016 erhielt die heilige Maria Magdalena, in den Evangelien „Maria von Magdala“ genannt, eine Aufwertung im liturgischen Kalender der Kirche: Papst Franziskus erhob ihren Gedenktag am 22. Juli den Rang eines Festes – zuvor war sie im Rang eines sogenannten „gebotenen Gedenktags“ (Päpstliches Dekret im Original ). Mit der Aufwertung auf ein „Fest“ wurde die „Apostelin der Apostel“, wie Thomas von Aquin sie bezeichnete, liturgisch den Aposteln gleichgestellt. Der neugefasste Text der Präfation, der einleitenden Worte zum Hochgebet an ihrem Fest formuliert, Christus habe Maria Magdalena „den Aposteln gegenüber mit dem Apostelamt geehrt“ (Texte für Montag, 22. Juli, auf: Hl. Maria Magdalena , Messtexte mit Präfation „Maria Magdalena, Apostelin der Apostel“ ).

Maria Magdalena, eine der bedeutendsten Frauen im Neuen Testament, wird im Lukasevangelium (Lk 8,2) unter den Frauen genannt, die Jesus geheilt hatte und die ihn dann begleiteten: Neben Susanna und Johanna wird Maria von Magdalena am See Genezareth, „aus der sieben Dämonen ausgefahren waren“, als erste namentlich erwähnt. Als treueste Anhängerin Jesu sorgte sie für den Lebensunterhalt Jesu und der Jünger (Lk 8,3). Auch bei Markus, der das früheste Evangelium verfasste, heißt es zu den Frauen: „Sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient“ (Mk 15,41). Bei ihm und bei Matthäus gelten die Frauen rund um Maria Magdalena als Jüngerinnen und Nachfolgerinnen Jesu.

In mehreren Evangelien stand sie beim Kreuz Jesu und war bei seinem Begräbnis. Weil sie am Ostermorgen der Auferstandene ihr als Erstzeugin den Auftrag gab, den Jüngern die Osterbotschaft zu überbringen (Mk 16,9; Joh 20,14-18), nannten sie die Kirchenväter Hippolyt, Augustinus, Johannes Chrysostomos und Cyrill von Alexandrien die „Apostelin der Apostel“ (apostola apostolorum) und in den frühchristlichen Gemeinden kam Maria von Magdala eine besondere Bedeutung zu.

In ostkirchlichen Legenden verließ Maria Magdalena nach der Auferstehung Jesu Jerusalem, um überall das Evangelium zu verkünden, wurde in Rom sogar von Kaiser Tiberias empfangen. In Ephesus soll sie Johannes bei der Abfassung seines Evangeliums geholfen haben. Nach der griechischen Überlieferung fand sie dort auch ihre letzte Ruhestätte, von Ephesus gelangten Reliquien im Jahr 899 nach Konstantinopel. Nach im Westen verbreiteten Legenden ging sie mit Martha und Lazarus nach Südfrankreich und lebte dort als Predigerin oder als Büßerin in einer Einöde in der Provence, wo sie auch gestorben sein soll. Mutmaßliche Reliquien der Heiligen sollen sich in der Kleinstadt Saint-Maximin-la-Sainte-Baume befunden haben und werden heute in der Basilika Sainte-Madeleine in Vézelay verehrt.

In der kirchlichen Tradition war sie allerdings spätestens mit den Magdalenen-Predigten von Papst Gregor dem Großen (590-604) mit der Sünderin gleichgesetzt worden, die Jesus die Füße salbte (Lk 7, 36-50). Damit begann eine Umdeutung, die sie als Schwester der Marta und des Lazarus (Lk 10,38-50; Joh 12,1-8) zu einer reuigen Prostituierten machte, in der Kunst war sie oft Vorwand für die Darstellung nackter Körperlichkeit. In populärer Literatur kam es darüber hinaus auch zu Spekulationen, sie sei die Geliebte oder Ehefrau von Jesus gewesen. Das Musical „Jesus Christ Superstar“ (1971) zeigt Maria Magdalena etwa als in Jesus verliebte Ex-Prostituierte. Richtig ist sicher, dass Maria Magdalena mit Jesus eine tiefe geistige Beziehung hatte und eine wichtige Jüngerin war. Erst seit dem II. Vatikanischen Konzil und dem liturgischen Kalender von 1969 wird sie in der katholischen Kirche nicht mehr mit der Büßerin oder Sünderin gleichgesetzt. Auch neu aufgefundene Texte aus dem 2. Jahrhundert warfen ein neues Licht auf ihre über Jahrhunderte verkannte herausragende Rolle, die stark von der feministischen Theologie aufgegriffen wurde.

Unsere Gesprächspartnerin: Dorothee Sandherr-Klemp, seit 2015 Geistliche Beirätin des KDFB-Bundesverbands, Kontakt: Katholischer Deutscher Frauenbund e.V. (KDFB), Bundesgeschäftsstelle, Kaesenstraße 18, 50677 Köln, Tel. 0221 / 860 92 – 0, Fax: 0221 / 860 92 – 79, E-Mail: bundesverband@frauenbund.de, Internet: www.frauenbund.de .

  • 05.04.2026
  • Christof M. Beckmann
  • Red
Ostern: Wer war Maria Magdalena wirklich?
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