Papst Leo und die Wurzeln Europas

  • 20.09.2026

INFO: Vatikanstadt (KNA) Die am Freitag (25. September) beginnende viertägige Frankreich-Reise des Papstes nach Frankreich steckt für Leo XIV. voller Herausforderungen. Wenn der erste US-Amerikaner im Papstamt nach Paris kommt, ist es noch rund ein halbes Jahr bis zu den französischen Präsidentenwahlen im April. Doch die mögliche Machtübernahme durch die fremdenfeindlichen Rechtsnationalen unter Führung von Marine Le Pen bestimmt schon jetzt die politischen Debatten.

Spannend sind auch die innerkirchlichen Konflikte. In Frankreich geht es vor allem um Phänomene der Postmoderne. Sie zeigen sich etwa im Aufschwung von Erwachsenentaufen, der manche Bischöfe überfordert. Hinzu kommt der Konflikt mit den in Frankreich besonders zahlreichen Traditionalisten der schismatischen Piusbruderschaft. Und die Skandale um sexuellen Missbrauch durch Kleriker werfen noch immer dunkle Schatten auf die Kirche.

Doch Papst Leo hat seine Frankreich-Reise so geplant, dass weder Wahlen noch innerkatholische Spannungen ins Zentrum rücken. Das biblische Motto der Reise lautet: „Damit die Welt das Leben habe“. Manche spekulieren deshalb, das Kirchenoberhaupt werde in Paris auf die unter Präsident Emmanuel Macron liberalisierte Gesetzgebung in Sachen Abtreibung und Sterbehilfe eingehen, gegen die Frankreichs Bischöfe vergeblich Sturm gelaufen sind.

Klar ist bislang aber nur das Programm der Reise. Nach dem Empfang durch den Staatspräsidenten am Freitag im Elysée-Palast und einer Rede vor Politikern und Diplomaten steht als internationaler Höhepunkt ein Besuch am Sitz der Weltkulturbehörde Unesco auf dem Programm.

Erster Papst in der renovierten Kathedrale

Mit einem Gottesdienst in der aus Feuersbrunst und Asche wiedererstandenen Kathedrale Notre-Dame und einer Gebetsvigil mit Jugendlichen im „Stade de France“ folgen zwei kirchliche Highlights. Spannend wird es am Samstagmorgen, wenn der Papst die Synodalversammlung des Großraums Paris trifft. Dort hat er Gelegenheit, die unerwartet vielen Erwachsenentaufen in Frankreich anzusprechen. Etliche der Neulinge werden bei dem Treffen dabei sein.

Der große Freiluftgottesdienst auf der Place de la Concorde am Samstagnachmittag wird dann zum Stimmungsbarometer. Die Messlatten liegen in Paris hoch: Johannes Paul II. konnte beim Weltjugendtag 1997 überraschend 1,2 Millionen meist junge Leute mobilisieren. Und zuletzt predigte 2008 Benedikt XVI. am Invalidendom vor rund 250.000 Menschen.

Ein Handicap für den Papst mit dem französischen Familiennamen Prevost ist die Sprache seiner Vorfahren. Vor allem mit der Aussprache tut er sich manchmal schwer. Doch das hindert ihn nicht daran, sie kraftvoll und mitreißend zu nutzen – so wie unlängst im Libanon.

Ein unangenehmer Konflikt erwartet Leo XIV. am dritten Tag seiner Reise am Marienwallfahrtsort Lourdes. Die Fassade der dortigen Rosenkranzbasilika hat der wegen Missbrauchsvorwürfen von Ordensfrauen in Ungnade gefallene Mosaikkünstler Marko Rupnik einst mitgestaltet.

Der große Gottesdienst am Sonntag findet gleich neben der Basilika statt. Der Ortsbischofs ordnete schon 2025 an, einige Rupnik-Mosaiken zu verhängen. Noch vor Leos XIV. Besuch soll nun auch der Rest verdeckt werden. Der vatikanische Prozess gegen den Künstler verläuft unterdessen ohne erkennbare Fortschritte – und wird zu einer ungewollten Belastung des Papstbesuches an dem populären Wallfahrtsort.

Zudem gibt es in Frankreich eine Debatte um die Finanzierung des Besuchs. Manche kritisieren, dass der laizistische Staat neben den Kosten für die Sicherheit auch jene für die Bereitstellung der Infrastruktur übernehmen könnte.

An seinem letzten Besuchstag reist Leo XIV. dann nach Metz. Zuletzt predigte dort 1988, rund ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer, Papst Johannes Paul II. über die Einheit des damals noch in Ost und West geteilten Europa. Daran wird Leo XIV. vermutlich anknüpfen – bevor er am späten Montagabend nach Rom zurückreist.

  • Christof M. Beckmann
  • Red
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