INFO: Köln (KNA) Pilgern hat nach Expertenmeinung auch nachhaltige Wirkung. „Pilgern entschleunigt ja ganz automatisch und reduziert auf das Wesentliche: gehen, essen, schlafen – mehr braucht es nicht. Viele versuchen, genau das mit in den Alltag zu nehmen und sagen sich bewusst: Ich muss nicht ständig hetzen“, sagte Autorin Beate Steger im Interview dem Portal domradio.de.
Pilgerexpertin Steger berichtet, dass die meisten sich immer wieder an ihre Erfahrung erinnern müssten, um den Effekt zu erhalten. „Der Alltag holt einen schnell wieder ein. Aber das Ziel ist tatsächlich, das eigene Verhalten langfristig zu verändern – und das gelingt zumindest in kleinen Schritten sehr wohl.“
Neues Rekordjahr für den Jakobsweg – 500.000er-Marke geknackt
Der Zulauf auf dem Jakobsweg sorgt für einen weiteren Rekord. 2025 kamen zum ersten Mal mehr als eine halbe Million Pilger in Santiago de Compostela an. Eine Ende des Booms ist nicht in Sicht. Santiago de Compostela (KNA) Der Jakobsweg setzt seine Rekordgeschichte fort: Das vergangene Pilgerjahr hat alle bisherigen Höchstmarken übertroffen; erstmals ist die Marke von einer halben Million Ankünfte geknackt worden. Wie aus der Statistik des Pilgerbüros in Santiago de Compostela hervorgeht, bekamen 530.987 Ankömmlinge ihr Diplom. Der Anteil der Frauen lag bei 53,4 Prozent, was fast 35.000 mehr Pilgerinnen als Pilgern entsprach. Bei den Nationalitäten hatten – wie immer – die Spanier die Nase vorn (228.527), mit weitem Abstand gefolgt von US-Amerikanern (43.980), Italienern (26.680) und Deutschen (24.356). Noch am Silvestertag trafen 257 Pilger in Santiago ein, was zum Trend des Winterpilgerns passt, um den Massen in den zulaufstarken milderen Monaten aus dem Weg zu gehen. 2026 dürfte sich der Boom fortsetzen und 2027 abermals steigern. Dann nämlich beginnt das nächste heilige Jakobusjahr, was immer dann ansteht, wenn der Jakobustag am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Die Jakobswege zum in Santiago verehrten Grab des Apostels Jakobus waren bereits im Mittelalter stark frequentiert. Zahlen dazu gibt es allerdings nicht. Die Wiederentdeckung des Jakobswegs begann in den 1980er Jahren, auf Betrieben von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) und des Europarates. Damals begann es mit lediglich einigen tausend Pilgern pro Jahr.
Santiago de Compostela (KNA) Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem „heiligen Ort“, an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.
Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Der „Weg der Deutschen“, die „Via Lemovicensis“, ging von Vézelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Weiter östlich verliefen die „Via Turonensis“ über Paris, Tours und Bordeaux, die „Podiensis“ über Le Puy und Conques, die „Tolosana“ über Arles und Toulouse sowie der sogenannte Pyrenäenweg über Béziers und Foix.
Die angebliche Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser „europäischen Kulturbewegung“ eingesetzt, wie eine immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt.
Allerdings spielen neben religiösen auch touristische und sportliche Motive eine zentrale Rolle. In Deutschland verstärkte der Erlebnisbericht des Entertainers Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ (2006) zusätzlich eine Renaissance des Pilgerns.
Als erster Märtyrer aus dem Kreis der Apostel wurde Jakobus um 44 im Heiligen Land hingerichtet. Dass er als Prediger in Spanien missioniert hätte, berichten erst schriftliche Quellen ab dem 7. Jahrhundert. Sein angebliches Grab wurde im frühen 9. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Stadt Santiago de Compostela („Sternenfeld“) entdeckt. Der „Fund“ machte Santiago neben Jerusalem (Grab Christi) und Rom (Grab des Petrus und Paulus) in den folgenden Jahrhunderten zum wichtigsten Wallfahrtszentrum der Christenheit.

