Robert Schuman, Vater Europas

  • 19.06.2026


INFO: Jean-Baptiste Nicolas Robert Schuman, der 1886 in Luxemburg geborene und dreisprachig aufgewachsene Staatsmann, verstand sein politisches Engagement als Erfüllung einer christlichen Berufung. Wie kaum ein anderer verkörperte er selbst die Brüche und Wunden, die sich die Staaten Europas bis dahin zugefügt hatten. Am 29. Juni 1886 in einer lothringischen Familie in Luxemburg geboren, studierte er zunächst Jura in Bonn, München, Berlin und Straßburg, schloss sich dort dem katholischen Studentenverband Unitas an und wurde „summa cum laude“ promoviert. Nach dem Unfalltod seiner Mutter 1911 wollte er Priester werden, doch ein Vertrauter der Familie riet ihm, als christlicher Laie zu wirken. Das tat er, ehelos und gänzlich skandalfrei.

1912 eröffnete er zunächst eine Anwaltskanzlei in Metz, der dortige Bischof Benzler berief ihn zum Vorsitzenden der katholischen Jugendverbände und zum Organisator des Deutschen Katholikentags. Nach dem Ende des Krieges und der Abtrennung des zuvor deutschen Elsass-Lothringen war er französischer Staatsbürger. Fortan setzte er sich als Mitglied der Nationalversammlung für eine gemäßigte Eigenständigkeit Elsass-Lothringens ein, leitete 1929-1936 als Präsident die Elsass-Lothringen-Kommission und wurde 1940 zum Unterstaatssekretär für Flüchtlingsfragen ernannt. Er trat kurz darauf unter dem Vichy-Regime zurück, wurde im September 1942 von der Gestapo verhaftet, zunächst in Metz inhaftiert und schließlich nach Neustadt deportiert. Nach zwei Jahren Haft gelang ihm die Flucht. Er versteckte sich in Klöstern, nahm Kontakte zur Résistance auf.

Nach Kriegsende wurde Schuman Finanzminister (1946/47), Ministerpräsident (1947/48) und bis 1952 Außenminister. Hier setzte er sich für die Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ein, unterstützt die gleichberechtigte Behandlung Deutschlands innerhalb der westeuropäischen Staatengemeinschaft und erntete dafür von gaullistischer Seite harte Kritik. Das Parlament der im März 1958 begründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wählte ihn zu seinem ersten Präsidenten und machte Schuman zwei Jahre später zum Ehrenpräsidenten. Schuman starb am 4. September 1963 im Alter von 77 Jahren im lothringischen Scy-Chazelles. Auch die Straßburger Konvention für die Menschenrechte und Grundfreiheiten von 1950 gilt als sein Werk, für seine Verdienste um Europa wurde er 1958 mit dem Karlspreis geehrt. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nannte Schuman 1988 vor dem Europaparlament ein „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“. Mehr über Robert Schuman

„Historische Erklärung“ vom 9. Mai 1950: Am 9. Mai 1950 erklärt der französische Außenminister Robert Schumann völlig überraschend, dass Frankreich den ersten Schritt für den Aufbau Europas mache – zusammen mit Deutschland. Damit kam das, was die internationale Presse am 9. Mai 1950 im Uhrensaal des französischen Außenministeriums am Quai d’Orsay miterlebte, fünf Jahre nach dem verheerenden Krieg einem Wunder gleich. „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen“, erklärte Schuman und stellte einen Plan vor, der die Brüche und Wunden europäischer Geschichte heilen sollte. Der von Jean Monnet maßgeblich mitausgearbeitete Vorschlag, an deren Anfang die deutsch-französische Aussöhnung stehen sollte, stellte die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS oder Montanunion) vor, die ein Jahr später, am 18. April 1951 in Kraft trat.

Robert Schuman: Virtuelle Ausstellung zum 70. Jahrestag der Schuman-Erklärung: https://www.europeana.eu/de/exhibitions/70th-anniversary-of-the-schuman-declaration ; Memoclip: „History of a Treaty“ des Europäischen Parlaments zur Historischen Erklärung von Robert Schuman vom 9. Mai 1950. Darin schlug er u.a. die „Montanunion” vor, die vor 70 Jahren in Kraft trat. Seit 1985 wird aus diesem Grund der Europatag begangen.

Europa im Fokus: Papst Leo reist nach Frankreich

Für vier Tage will Papst Leo XIV. im September nach Frankreich reisen, wie der Vatikan in einer knappen Mitteilung ankündigte: „Auf Einladung des Staatsoberhauptes und der kirchlichen Würdenträger des Landes sowie des Generaldirektors der UNESCO wird der Heilige Vater Leo XIV. vom 25. bis zum 28. September 2026 eine Apostolische Reise nach Frankreich unternehmen und den Sitz dieser Organisation besuchen.“ Am 09. Juni gab Frankreichs Bischofskonferenz-Vorsitzender, Kardinal Jean-Marc Aveline, mehr Details zu den Programmpunkten bekannt.

Danach wird der Papst am Freitag, 25. September, eine Vesper in der Kathedrale Notre Dame in Paris halten, zu der alle katholischen Priester, Diakone und ihre Frauen, geweihten Personen und Seminaristen Frankreichs eingeladen sind. Anschließend folgt eine „Große Gebetswache in Paris mit den Jugendlichen Frankreichs“, für die der Ort noch nicht bestimmt ist. An einem ebenfalls bislang noch nicht benannten Ort soll am Samstag, 26. September, ein Massengottesdienst unter freiem Himmel in Paris stattfinden. Am Sonntag, 27. September, will Leo XIV. am frühen Nachmittag auf der Wiese des Marienwallfahrtsorts Lourdes eine weitere Freiluftmesse feiern und für den Frieden in der Welt beten.

Für Montag, 28. September, ist am frühen Nachmittag eine Messe in der Kathedrale St. Stephan (Saint-Étienne) in Metz geplant. Der Vatikan-Botschafter bei der EU, Erzbischof Bernardito Auza, hatte bereits am 21. Mai bestätigt, dass zum Abschluss der Papstreise nach Frankreich das Thema „Europa und Frieden“ in den Fokus gerückt werden solle. Damit liegt nahe, dass Papst Leo XIV. auf seiner viertägigen Reise möglicherweise auch den Wohn- und Sterbeort von Robert Schuman in Lothringen selbst besuchen könnte. Der am 29. Juni 1886 im luxemburgisch-lothringischen Grenzland geborene Jurist und Politiker starb am 4. September 1963 im Alter von 77 Jahren unweit von Metz in seinem Heimatort Scy-Chazelles. Ihn bezeichnete bereits Papst Johannes Paul II. (1978-2005) 1988 vor dem EU-Parlament als „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“. Im selben Jahr reichte die „Vereinigung des Hl. Benedikt für Europa“ beim Bischof von Metz, dem Heimatbistum Schumans, das Gesuch zur Seligsprechung ein. 1990 wurde dort der Seligsprechungsprozess offiziell eingeleitet und umfangreiche Informationen über Leben und Sterben, Tugendhaftigkeit und „Ruf der Heiligkeit“ gingen 2004 nach Rom an die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Am 19. Juni 2021 ernannte Papst Franziskus Bbr. Robert Schuman zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“ – das Dekret zur Anerkennung des heroischen Tugendgrades gilt als Vorstufe seiner Seligsprechung. Ob mit dem Besuch von Papst Leo in Metz eine weitergehende Würdigung des christlichen Staatsmanns verbunden sein wird, bleibt abzuwarten.

  • Christof Beckmann
  • Red
Robert Schuman, Vater Europas
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