Sankt Martin


Ich sitze in einem wirklich kalten Konferenzraum. Und ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es so kalt sein könnte. Meine Jacke und alles, was mich wärmen könnte ist im Auto und damit weit weg. Irgendwie funktioniert die Heizung nicht, sagt eine Mitarbeiterin entschuldigend. All das hilft mir nicht und warmen Tee gibt es auch nicht.

Ich merke, wie ich unzufrieden werden und mir immer kälter wird. Ich verschränke die Arme und sehe vermutlich auch nicht zufrieden aus.

Neben mir sitzt meine Kollegin Jana. Sie sieht mir irgendwie an, dass ich nicht mit der Temperatur zufrieden bin. „Sag mal, möchtest du meinen Mantel haben? Ich habe noch ne Fleecejacke.“ Und bevor ich was sagen kann, zieht Jana ihren Mantel aus und ihre Fleecejacke an. Sie gibt mir den vorgewärmten Mantel und sofort überkommt mich ein wohliges Gefühl. Und während wir beiden dem Seminar wieder folgen können, denke ich an Sankt Martin. Der teilte vor vielen Jahrhunderten seinen Mantel mit einem frierenden Mann auf der Straße. Mit diesem kleinen Zeichen der Nächstenliebe rettete er ihn damals vermutlich vor dem Tod. Jana ersparte mir vielleicht nur eine Erkältung. Und dennoch merke ich ganz genau, wie sich Nächstenliebe in diesem Moment anfühlt. Wenn jemand, der viel hat, dies teilt. Schön, dass Sankt Martin uns auch daran jedes Jahr wieder erinnert.

Hendrik Meisel von der evangelischen Kirche für „Augenblick mal!“.

  • 11.11.2025
  • Max Testermann
  • Red
Sankt Martin
  • AM251111