Sind Protestanten Karnevalsmuffel?


So ist zum Beispiel die evangelische „PROT´s – Sitzung“ seit rund 30 Jahren fester Bestandteil des Kölner Karnevals. Zum Evangelischen Kirchentag in Köln 2007 fuhr ein eigener Wagen im Rosenmontagszug der Domstadt mit, 2009 war ein Wagen der Evangelischen Stiftung Hephata beim Mönchengladbacher Veilchendienstagszug dabei, und 2017 war beim Düsseldorfer Rosenmontagszug ein Motivwagen der Evangelischen Kirche im Rheinland zu bewundern. Ein überdimensionaler Martin Luther erinnerte unter dem Motto „vergnügt – erlöst – befreit“ an den 500. Jahrestag der Reformation. Karnevalsfeiern gibt es heute in vielen evangelischen Kindergärten und Kindergottesdiensten, und selbst evangelische Karnevalsprinzen sind keine Ausnahme mehr.

Diese Öffnung des Protestantismus für den Karneval ist aber vergleichsweise jung und geschah vor allem im 20. Jahrhundert, wobei die Öffnung das Ergebnis mehrerer historischer Prozesse, nicht aber eines konfessionellen Umdenkens war. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) und nach ihm auch die evangelische Kirche standen dem Karneval zunächst klar ablehnend gegenüber. Während es die Katholische Kirche erlaubte, vor der 40tägigen Fastenzeit bis Ostern noch einmal ausgelassen zu feiern und die Ausschweifungen damit kanalisierte, galt das Fasten in der reformatorischen Tradition Luthers nicht als „heilsnotwendig“. Es hatte nicht den Zweck, vor Gott Buße zu tun, um so sein Wohlwollen zu erringen. Damit fehlte zugleich der religiöse Sinn für eine „letzte Ausschweifung“.

Die Katholische Kirche sah den Karneval dagegen als Teil eines rituellen Gesamtgefüges, in dem Überschreitung erlaubt ist – allerdings zeitlich streng begrenzt; eine kontrollierte Grenzüberschreitung, die im Nebeneffekt auch eine soziale Funktion hatte, indem sie langfristig die bestehende Ordnung (und damit stets auch die Stellung und Macht der Kirche) stabilisierte. Die Reformation kritisierte Karneval demgegenüber als zügellos, moralisch gefährlich und theologisch überflüssig (da fasten nicht heilsnotwendig sei).

Karneval wurde auf evangelischer Seite deshalb mit Zuchtlosigkeit, Gotteslästerung und sozialer Unordnung assoziiert. In vielen protestantischen Städten wurden Fastnachtsbräuche verboten oder aktiv unterdrückt. Bis ins 18. Jahrhundert hinein blieb der Karneval daher ein konfessioneller Marker: katholisch = Karneval, protestantisch = Disziplin. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als (v. a. im Rheinland) der organisierte, bürgerliche Karneval entstand.

Mit dem Aufkommen von Karnevalsvereinen, organisierten Karnevalssitzungen und -umzügen gewinnen Humor (Satire, Obrigkeitsspott), Lokalpatriotismus und Geselligkeit an Bedeutung. Der Karneval wird immer mehr zum städtisches Gemeinschaftsfest und damit auch für Protestanten akzeptabel, weil er nicht mehr kirchlich legitimiert ist und außerdem kontrolliert und „zivilisiert“ erscheint, sodass Protestanten daran teilnehmen können.

Dieser Trend verstärkt sich im 20. Jahrhundert weiter. Der Karneval wird Teil der lokalen Identität, nicht mehr der kirchlichen und ist ein soziales Ereignis, dem man sich schwer entziehen kann, ohne sich auszugrenzen. Gleichzeitig nähern sich evangelische und katholische Kirche immer weiter an, und aus der Sicht der Menschen werden frühere konfessionelle Grenzen unwichtiger – das Wissen um Religion, Kirchenjahr und Feiertage schwindet. Heute wird der Karneval überwiegend als säkular, kommerzialisiert und als identitäts- und freizeitbezogen empfunden.

Wer will, kann aber auch im heutigen Karneval noch theologische (Be)Deutungen finden. Heinz Frantzmann zum Beispiel war viele Jahre evangelischer Pfarrer – u.a. bei der Diakonie in Düsseldorf – und stieg gelegentlich auch selber in die Bütt. In einem Interview für das Kirchenmagazin „Himmel & Erde“ sagte er 2013: „Mit Karneval verbinde ich politisches Kabarett – also auch prophetische Rede. Und mit Karneval verbinde ich, dass ich auch mal ein anderer sein darf, mal in eine andere Rolle hineinschlüpfe. Und dass die, die immer unten sind, auch mal oben sein dürfen und so ein biblisches Bild entsteht von dem großen und kommenden Reich Gottes, in dem alle Menschen in gleicher Weise geachtet, bewertet werden und miteinander Gemeinschaft haben.“

Das Wort Karneval kommt wohl vom lateinischen „Carne vale!“ Das heißt: Fleisch – lebe wohl! Oder auch carnem levare – das Fleisch weglegen. Am Aschermittwoch beginnt die 40tägige Fastenzeit vor Ostern. So entstand der Karneval offensichtlich auch aus dem Bedürfnis heraus, vor der Fastenzeit noch einmal ausgelassen das Leben zu genießen. Über die Herkunft des Namens Rosenmontag streiten sich Gelehrte wie Karnevalisten. Eine Theorie besagt, dass der Rosenmontag gar nichts mit der gleichnamigen Blume zu tun habe. Der Name leite sich vielmehr von dem Verb „rasen“ ab, was so viel wie lustig sein, toben, sich toll gebärden bedeutet.

Mehr über die Historie und Hintergründe von Karneval/Fastnacht findet man unter https://www.theology.de/kirche/kirchenjahr/fastnacht-fasching-karneval.html

(Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt)

  • 15.02.2026
  • Manfred Rütten
  • Red
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