Stunde Europas: Karl der Große in Aachen

INFO: Das Karlsfest 2026, lokaler Feiertag in Aachen, wird traditionell am letzten Sonntag im Januar begangen und erinnert an den Todestag Karls des Großen am 28. Januar 814. Der Bischof von Lüttich, Prof. Dr. Jean-Pierre Delville, ist am Sonntag, 25. Januar, um 10 Uhr, Hauptzelebrant des Pontifikalamts zum Karlsfest, Konzelebranten sind Aachens Bischof Dr. Helmut Dieser sowie Mitglieder des Domkapitels. Am Hochamt nimmt auch eine Abordnung der Karlsschützen teil.

Das rund zweistündige liturgische Programm ist sehr musikalisch geprägt: Unter der Leitung von Domkapellmeister Felix Heitmann bringen der Aachener Domchor, das Sinfonieorchester Aachen und Gesangssolistinnen und -solisten karolingische und frühmittelalterliche Gesänge zur Aufführung. Darüber hinaus erklingen die Messe in C-Dur KV 317 („Krönungsmesse“) von Mozart sowie zwei Werke mit lokalem Bezug: das „Veritas mea“ des früheren Aachener Stiftskapellmeisters Franz Nekes und die sinfonische Liedkantate „Urbs aquensis“ des 2021 verstorbenen ehemaligen Domorganisten Norbert Richtsteig.

Um 16.30 Uhr lädt Domorganist Michael Hoppe zu einem Orgelkonzert in den Dom ein. Unter dem Motto „It’s so suite“ spielt er Werke von Langlais, Händel und Boëllmann. Der Eintritt ist frei. Den Abschluss des Karlsfests bildet das Abendlob um 18 Uhr, das vom Mädchenchor am Aachener Dom unter der Leitung von Domkantor Marco Fühner musikalisch gestaltet wird. Zu hören sind Psalmvertonungen und mehrstimmige Chormusik.

Karl der Große: Der Frankenkönig und Kaiser, auch Carolus Magnus oder Charlemagne genannt, gehört zu den bedeutendsten Gestalten der mittelalterlichen Geschichte. Geboren wahrscheinlich am 2. April 742, übernahm er nach dem Tod seines Vaters Pippin des Kleinen 768 Titel und Regierung als König der Franken, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann und nach dessen Tod 771 als Alleinherrscher. Er nahm den aus Rom geflohenen Papst Leo III. bei sich auf, bestätigte ihm die Herrschaft über den Kirchenstaat und wurde am 25. Dezember 800 in Rom durch Papst Leo zum Kaiser gekrönt.

Karls Bedeutung liegt weniger in seinem frommen Leben als in seiner politischen und geschichtlichen Wirksamkeit. Mit seiner Politik legte er die Fundamente eines christlichen Abendlandes und verschaffte der Kirche und dem Glauben in Europa bleibenden Raum. Karl starb am 28.1.814 in Aachen, wo er in seiner Pfalzkapelle, dem Aachener Münster, beigesetzt wurde. Auf Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1152-1190) Veranlassung erfolgte 1165 die Heiligsprechung Karls durch den Erzbischof von Köln – unter Billigung von Gegenpapst Paschalis III., aber gegen den Willen von Papst Alexander III. – seine Gebeine waren seitdem im römischen Proserpina-Sarkophag bestattet. Die feierliche Erhebung (elevatio) der Gebeine wurde in Aachen in Gegenwart der Großen des Reiches und unter Mitwirkung des Kaisers vollzogen, der die Gebeine Karls persönlich dem Grab entnahm. Seit 1176 ist die Verehrung offiziell „gestattet, nicht anerkannt” – darum ist er nicht im Martyrologium Romanum verzeichnet.

Am 27. Juli 1215, ließ der zwei Tage zuvor in Aachen zum König gekrönte spätere Kaiser Friedrich II. die sterblichen Überreste Karls in den neuen Karlsschrein übertragen (Translatio) und schlug die letzten Sargnägel ein. Der Schrein wurde am jetzigen Hauptaltar des Domes aufgestellt. Der Kern ist ein Holzschrein aus Eiche, darauf silbervergoldete Figuren und Reliefs, Verzierungen aus Emaille, Edelsteine und Filigrane. Auf der Stirnseite sitzt Karl der Große, neben ihm – stehend genauso groß – Papst Leo III. und Erzbischof Turpin von Reims. Auf der rückwärtigen Stirnseite die thronende Maria und das Christuskind. Auf den Dachreliefs sind zwei Mal acht deutsche Könige und Kaiser zu sehen, die meisten in Aachen gekrönt, in irgendeiner Form Gönner oder Gefährten von Karl dem Großen. Der Aachener Domschatz birgt Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten. Zu den wertvollsten zählen Textilien, von denen die ältesten dem Schatz Kaiser Karl des Großen zugeordnet werden. Er sammelte und stiftete diese kleinen Stoffe aus dem 6. und 7. Jahrhundert, die als Reliquien oder als deren Hüllen nach Aachen kamen.

Unser Gesprächspartner: Generalvikar Dr. Andreas Frick ist Jahrgang 1964, stammt aus gebürtig aus der Bischofstadt und wurde 1989 in Rom zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in der Pfarrei St. Nikolaus in Meerbusch-Osterath war er 1997-2007 Domvikar am Hohen Dom zu Aachen, übernahm 1997-2004 die Leitung der Pfarrei St. Foillan in Aachen, von 2003 bis 2004 war er Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden Aachen-Mitte und Dechant des Dekanates Aachen-Mitte. Weitere Stationen: 2004-2007 Direktor am Pauluskolleg in Bonn, dem Theologenkonvikt des Bistums Aachen, 2004-2012 Mitglied des Kuratoriums für die Fortbildung der Priester, 2005 -2015 Richter am kirchlichen Arbeitsgericht erster Instanz der nordrhein-westfälischen Bistümer, 2007-2009 Pfarrer an St. Peter und Paul in Eschweiler Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Mitte. Am 9. Januar 2015 übernahm Dr. Andreas Frick das Amt des Generalvikars des Bistums Aachen und wurde am selben Tag zum residierenden Domkapitular ernannt. Bischof Helmut Dieser ernannte ihn am 12. November 2016 erneut zum Generalvikar.
Bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 22. Februar 2024 wurde er zum Hauptgeschäftsführers des 1958 als Aktion gegen Hunger und Krankheit gegründeten Bischöflichen Hilfswerks Misereor in Aachen bestellt. Am 27. Juni 2024 wurde er in sein Amt eingeführt.
Kontakt: Mozartstraße 9, 52064 Aachen, Tel. 0241 4 420, Fax 0241 442 188, E-Mail: info@misereor.de , Internet: https://www.misereor.de .

  • 25.01.2026
  • Christof M. Beckmann
  • Red
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