Doch während sie in den weihnachtlichen Krippendarstellungen meistens nur als hübsche Dekoration auftauchen, spielen Tiere am kommenden Sonntag (28.12.2025) im Gottesdienst von Charlotte Fischer die Hauptrolle. Die Pfarrerin der Ev. Trinitatiskirche in Bonn-Endenich lädt unter dem Motto „Ein Gottesdienst für Ihr Haustier und Sie!“ ab 10 Uhr zu einem Gottesdienst mit Tiersegnung ein. Willkommen sind insbesondere „verträgliche“ Haustiere wie Hunde oder Katzen, heißt es dazu auf der Website . Pfarrerin Charlotte Fischer wird zusammen mit ihrem Familiendackel „Jolie“ die Predigt gestalten.
Fischer hat bereits Erfahrung mit solchen Feiern: „Ich durfte in meiner Vikariatsgemeinde auch schon Mensch und Tier segnen. Da habe ich zum Beispiel eine Frau gefragt: Warum brauchst du und dein Hund jetzt Gottes Segen? Und sie hat geantwortet: »Ich brauche das zum Überleben.«. Und sie erzählte ihre Lebensgeschichte, was ihr gerade schwerfällt, Trauer und Verlust, und was es bedeutet, einen Begleiter im Leben zu haben.“ Den hat auch Charlotte Fischer: ihren Familien-Dackel „Jolie“. Der wird am Sonntag zusammen mit Ihr auf der Kanzel stehen.
Im Rahmen eines Gottesdienstes Tiere zu segnen klingt vor allem für evangelische Ohren ungewohnt. Das weiß auch Pfarrerin Charlotte Fischer. Anders als die katholische Kirche kenne die Evangelische keine „Sachsegnung“, erklärt Fischer: „Wir segnen eigentlich nur Personen, aber nach Schöpfungsbericht sind auch die Tiere geliebte Wesen Gottes, und das, was gesegnet werden soll, die Beziehung von einem Menschen zu einem geliebten Wesen, das steht im Vordergrund.“
Theologische Zoologie in Münster
Jahrhunderte lang hat das Christentum den Menschen als „Krone der Schöpfung“ in den Mittelpunkt gestellt und dabei die Tiere als Mitgeschöpfe sträflich vernachlässigt. Das gilt es zu korrigieren, meint auch Dr. Rainer Hagencord, Leiter am Institut für Theologische Zoologie in Münster: „Sehr am Herzen liegt mir letztlich ein Bewusstseinswandel im Verhältnis zu den Tieren und zur Natur insgesamt.“ Ihm geht es dabei u.a. um eine „theologische Würdigung des Tieres“. Auf der Internetseite des Instituts ist als ein Ziel formuliert, „im Dialog mit den Naturwissenschaften und vor allem dem Evolutionsparadigma die lange fällige Distanzierung von einem biblisch unhaltbaren Anthropo-Zentrismus, einer Rede vom Menschen als der »Krone der Schöpfung« und einzig beseeltem Lebewesen (zu erreichen).“
Tiere viel stärker als bisher wahrzunehmen und zu würdigen, lässt sich nicht zuletzt auch biblisch begründen. Schließlich werden im „Buch der Bücher“ mehr als 130 verschiedene Tiere namentlich erwähnt – von Ochs und Esel, Adler und Schlange bis hin zu Schafen und Löwen. Hagencord plädiert dafür, „die Tiere in Augenhöhe zu betrachten, das heißt, die Tiere als unsere Geschwister, unsere Verwandten zu sehen. Der zweite Punkt ist sehr naheliegend, nämlich auf Gewalt zu verzichten. Und der dritte Punkt ist, von ihnen zu lernen.“
Zusammen mit Dr. Anton Rotzetter gehört Dr. Rainer Hagencord zu den Gründern des Instituts für Theologische Zoologie, das sie am 1. April 2009 ins Leben riefen. Der gebürtige Westfale aus Ahlen studierte zuvor Theologie in Münster und Fribourg (Schweiz), wurde 1987 zum Priester geweiht und hat nach vierjähriger seelsorglicher Arbeit Biologie und Philosophie in Münster mit dem Schwerpunkt Verhaltensbiologie studiert

