Aus seiner Sicht ist der Stress umso größer, je mehr die eigenen Wünsche und Vorstellungen vom „Fest der Liebe“ an der Wirklichkeit scheitern: „Weihnachtsfeier hier, Weihnachtsfeier dort, und immer wenn die Familie zusammenkommt, die Frage: Wie verbringen wir denn die Feiertage? Dann die Frage, wem schenk ich was? Und das alles unter diesem hohen Anspruch von Harmonie. Dabei erleben wir aber unsere Realität oft genau anders.“
Damit wenigstens der Heiligabend von Stress und Streit verschont bleibt, sollten die Erwartungen an das Fest nicht zu hoch gesetzt werden. Stefan Pydde, Paarberater bei der Diakonie Hannover, kritisiert: „Die Erwartungen sind mittlerweile wie prall gefüllte Geschenke, die sich so angehäuft haben, dass sie bis zur Decke gehen und man den Weihnachtsbaum dahinter – respektive die Krippe, das worum es eigentlich an Weihnachten geht – gar nicht mehr sehen kann.“
Dabei könnte genau dieser Blick schon viel Stress rausnehmen. Denn schließlich sei das allererste Weihnachtsfest ja auch alles andere als perfekt gewesen, meint Pydde und rät, sich an der biblischen Weihnachtsgeschichte zu orientieren: „Da ist etwas sehr Wundervolles geschehen, in einem sehr einfachen Rahmen. Nämlich dass Jesus im Stall zur Welt gekommen ist und dann in eine Krippe gebettet wurde. Ein Behältnis, in dem Futter für Tiere sich befindet, da wurde Jesus reingelegt.“
Um Streitereien in der Familie an Weihnachten zu vermeiden, kann es sich auch lohnen, einmal die eigenen Festtagstraditionen zu hinterfragen. Muss es an Heiligabend immer ein Drei-Gänge-Menü geben, oder reicht auch eine heiße Suppe? Wollen wir die Zahl der gegenseitigen Geschenke nicht vielleicht reduzieren? Und wie sieht es mit dem Dresscode zu Weihnachten aus? Traditionen, die früher einmal funktioniert haben, können heute als unpassend und einengend empfunden werden.
Alleinstehende haben ein ganz anderes Problem, nämlich die Einsamkeit. Ihnen raten Experten, die Weihnachtstage nicht einfach auf sich zukommen zu lassen und passiv zu warten, was passiert. Sie sollten vielmehr versuchen, den Feiertagen eine Struktur zu geben. Gerade an Heiligabend gibt es von Kirchengemeinden oder Vereinen wie dem CVJM immer wieder Angebote wie Weihnachtsfeiern für Alleinstehende.
Einen Plan zu haben, empfiehlt sich auch für geschiedene Paare mit Kindern. Die leiden oft unter der Situation – gerade an Weihnachten, DEM Familienfest schlechthin. Experten empfehlen geschiedenen Paaren deshalb, zum Wohle der Kinder gemeinsame, klare Absprachen zu treffen. Das kann beispielsweise bedeuten, dass die Kinder am Heiligabend bei der Mutter sind, den 1. und 2. Weihnachtstag dann aber beim Vater. Denkbar ist auch die Variante, das Fest in einem Jahr komplett mit der Mutter zu verbringen und im Jahr darauf beim Vater.

