Im Evangelischen Kirchenkreis Hamm (EKKH) mit seinen insgesamt zwölf Kirchengemeinden hat man die prekäre Lage in einem Prozess über mehrere Monate analysiert, diskutiert und daraus erste notwendige Schritte abgeleitet. Die Kernfrage, mit der sich die Verantwortlichen in der Kreissynode wie auch in den Gemeindeleitungen (Presbyterien) dabei auseinanderzusetzen hatten, fasst die Leiterin des Kirchenkreises Hamm, Superintendentin Kerstin Goldbeck, so zusammen: „Die Frage heißt nicht: Tun wir die Dinge eigentlich richtig, sondern die Frage heißt: Tun wir eigentlich die richtigen Dinge?“
Im September 2024 wurden sieben Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die sich jeweils mit einem ganz speziellen Auftrag beschäftigen und Lösungen erarbeiten sollten. Die Teilnehmer legten bis zu einer Sondersynode im März 2025 ihre Konzepte für die Themen „Gottesdienst“, „Kasualien“, „Kooperation und Profilierung“, „Kreiskirchliche Arbeitsfelder“, „Gebäudeentwicklung“, „Personalgerechtigkeit“ und „Seelsorge“ vor. Die Ergebnisse lassen sich als eine umfassende Umstrukturierung des Kirchenkreises und seiner Gemeinden zusammenfassen, die in einer Transformation – also einer „Verwandlung“ der kirchlichen Arbeit und Angebote münden soll.
Dazu gehört u.a., dass nicht mehr jede Gemeinde „alles“ anbieten kann und soll. Auch Gottesdienste sind davon nicht ausgenommen, wie ein Beschlussvorschlag deutlich macht: „Schon jetzt besteht im EKKH ein vielfältiges Gottesdienstangebot, das aber den sinkenden Personalressourcen wie auch dem nachlassenden Interesse vor allem am traditionellen Gottesdienst kaum Rechnung trägt. Gemeindliche Gottesdienstkonzeptionen lassen das Angebot der Nachbargemeinden bislang weitgehend außer Acht.“ Solche Doppelstrukturen und -angebote sollen abgebaut werden, die Gemeinden stärker zusammenarbeiten und sich so gegenseitig entlasten.
Vor allem bei den sogenannten Kasualien wie Taufe, Trauungen und Beerdigungen wurde in der Analyse großer Handlungsbedarf offensichtlich. Demnach gibt es hier eine starke Ungleichheit zwischen sehr großen Pfarrbezirken mit bis zu 5.000 Gemeindegliedern und anderen, die nur 1.700 Gemeindeglieder zu versorgen haben. Eine gemeinsam getragene Kasualagentur soll hier künftig für eine gleichmäßige Verteilung von Anfragen für Taufen, Trauungen und Beerdigungen auf alle vorhandenen Pfarrpersonen sorgen.
Auch der Gebäudebestand wurde einer kritischen Durchsicht unterzogen. Das Ergebnis: Mittelfristig sollen im Kirchenkreis Hamm rund die Hälfte der 160 Gebäude aufgegeben werden – darunter vor allem Pfarrhäuser, aber auch Gemeindehäuser und Kirchen. Gleichzeitig sollen innovative Gottesdienstformen wie eine Kinderkathedrale im Hammer Osten oder die erfolgreiche Jugendkirche in der Lutherkirche in der Innenstadt von Hamm mehr Raum und Unterstützung erhalten.
Noch ist der Transformationsprozess nicht abgeschlossen, aber erste Tendenzen kann Superintendentin Kerstin Goldbeck schon erkennen: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es mehr Kirchen geben wird, die ein ganz eigenes Profil haben, so wie die Jugendkirche oder wie die Kinder-Kathedrale. Wir werden bestimmt diakonisch stärker werden im Einsatz für Menschen, die keine starke Lobby haben. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass unsere Kirche nicht nur kleiner wird, sondern bunter, vielfältiger, kräftiger, entschiedener.“ Ausführliche Infos über den Weg und die bisherigen Beschlüsse gibt es unter https://www.kirchenkreis-hamm.de/wirbauenum

