Vom Karneval Lebensfreude lernen

INFO: (pbm/lb). Alte Freunde treffen, auf Bühnenbrettern stehen und ganz viel Lebensfreude ausstrahlen: All das macht für den Karnevalisten und Priester Christoph Hendrix die fünfte Jahreszeit aus. Kirche und Karneval, das schließt sich nicht aus, betont der Pfarrer der Pfarrei St. Peter und Paul Voerde im Podcast „kannste glauben“ des Bistums Münster. „Es geht darum, Menschen das Leben zu bereichern und dann ist das ein Feld, in dem wir dringend mitmischen müssen“, sagt der gebürtige Issumer im Gespräch mit Moderatorin Ann-Christin Ladermann.

„Der Karneval lehrt ein wenig die Leichtigkeit des Seins“, sagt Hendrix in der halbstündigen Folge. Das sei etwas, was er aus der fünften Jahreszeit auch gerne mit in das Gemeindeleben nehme. Und auch in seinem Alltag als Priester helfen ihm seine Erfahrungen aus dem Karneval: „Humor kann Wahrheiten einfacher aussprechen“, sagt er. Seinen ersten Sketch hat der Priester aus Voerde mit 14 Jahren in seiner Heimat Issum aufgeführt. Damals hatte seine Mutter ihn zum Karnevalsverein mitgenommen. „Sie hatte die Hoffnung, dass in irgendeinem Stück eine Nebenrolle unbesetzt ist“, erzählt er im Podcast. Und sie hatte Glück. Hendrix bekam eine Rolle. „Dann fängt man irgendwie auf der Bühne Feuer“, sagt er. Im Podcast spricht er darüber, warum er trotz seiner Erfahrungen im Predigen vor seinen Karnevalsauftritten Lampenfieber hat. Heute gehört der Karneval unter anderem in Damme, wo er als Kaplan tätig war, und Voerde für ihn in die fünfte Jahreszeit. Seine Kostüme für den Bühnenkarneval bleiben bis zum Auftritt geheim, im Podcast verrät er allerdings, warum er sich beim Gemeindekarneval als Engel verkleidet. Die Episode des Bistums-Podcasts „kannste glauben“ mit Christoph Hendrix ist auf www.kannste-glauben.de abrufbar. Zudem können alle Folgen der Reihe bei Spotify, podcaster.de, Deezer, Google Play, YouTube und Itunes kostenfrei angehört und abonniert werden. Bildunterschrift: Pfarrer Christoph Hendrix ist zu Gast in der neuen Folge von „kannste glauben“, dem Podcast des Bistums Münster. Foto: privat

Karneval, Fasching, Fastnacht: Die zumeist in katholisch geprägten Regionen veranstalteten „närrischen Tage“ vor der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit heißen im Rheinland Karneval, in Mainz und Umgebung Fastnacht, im schwäbisch-alemannischen Gebiet Fasnet und im bayrisch-österreichischen Raum Fasching. „Domenica ante carnes tollendas“ nannte die Kirche den „Sonntag vor der Fleischenthaltung“ früher, das Wort „Fastnacht“ ist seit dem 12. Jahrhundert im Mittelhochdeutschen bekannt. Seit dem 13. und 14. Jahrhundert gehören Gastmähler, Trinkgelage, Reiter- und Tanzspiele zu dieser Zeit, in der die bestehende Ordnung außer Kraft gesetzt und im Narrengewand verspottet wird. Die Geistlichkeit billigte den Wunsch der Laien nach „leiblichen Genüssen“ vor der harten Fastenzeit und unterstützte die Entfaltung des Festes. Papst Sixtus IV. (1471-1484) ließ sogar die Gehälter der Universitäts-Lektoren mit drei Prozent besteuern, um Karnevalsfeiern zu finanzieren. Anders die Reformatoren: Sie hatten das vorösterliche Fasten abgeschafft und wollten das vorangehende „äußerst unfromme Spektakel“ (Martin Luther) nicht dulden.

Der 2015 verstorbene Bonner Kulturhistoriker Wolfgang Herborn hat in seiner „Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600“ nachgewiesen, dass der Begriff „Karneval“ in Deutschland erst um 1699/1700 belegt und aus Venedig importiert ist. Den „Fastelovend/Fasteleer“, rheinisch für den Fastnachtsabend vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit, gebe es dagegen schon seit dem Mittelalter. Wie bei anderen Feiertagen üblich, war dies ursprünglich der Dienstag vor dem Aschermittwoch, der im Jahr 1091 bei der Synode von Benevent als Fastenbeginn festgelegt wurde. Der Rosenmontag erhielt erst in jüngerer Zeit ein größeres Gewicht.

Höhepunkte der närrischen Zeit („Session“), die offiziell am 11. November begonnen hat und bis Aschermittwoch dauert, sind Weiberfastnacht am Donnerstag vor Aschermittwoch, der Karnevalssamstag und -sonntag, sowie der Rosenmontag mit seinen farbenprächtigen Umzügen und der Veilchendienstag. Der Aschermittwoch ist ein variabler Termin, der sich von Ostern her errechnet. Ihm geht im christlichen Festkalender die österliche Fastenzeit (Quadragesima) voraus, deren Länge von 40 Tagen auf das Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4, 2) und weitere Termine aus dem Alten Testament zurückgeht. Seit Ende des 11. Jahrhunderts werden die Katholiken in den Gottesdiensten am Aschermittwoch mit einem Aschenkreuz bezeichnet. Die aus gesegneten Palmzweigen gewonnene Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße, steht aber zugleich für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. Der Aschermittwoch ist neben dem Karfreitag der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fastentag gilt.

Buchtipp: Wie sehr die Welt der Narren und das ausgelassene Treiben in der „5. Jahreszeit“ von der christlichen Spiritualität geprägt sind, beschreibt Peter Krawietz, selbst ein profilierter Narr in der Mainzer Fastnacht und Vizepräsident im Bundesvorstand des „Bund deutscher Karneval“. Krawietz, Peter: „Spiritualität der Narren: Spiritualität der Begegnung – konkret“, 104 Seiten, gebunden, € 14,90, ISBN 978-3-429-06739-7, 2. Auflage in Arbeit, herausgegeben von Bernhard Brantzen, Hubertus Brantzen, Ulrike Kostka und Markus Vogt.

 

  • 09.02.2026
  • Stefan Klinkhammer
  • Red
Vom Karneval Lebensfreude lernen
  • Vom Karneval Lebensfreude lernen