„Wende im Warenkorb“

Von Marie-Luise Eberhardt (kath.) Hitzerekorde, Wassermangel, Brände – der Klimawandel ist auch in NRW längst spürbar. Aber auch immer mehr Unternehmen, Vereine und Einzelpersonen sind nachhaltig unterwegs.

  • 21.10.2026

INFO: Rund 190 Fachleute aus Kirche, Wohlfahrt, Wissenschaft, Praxis und Verwaltung diskutierten beim 4. Kölner Klima-Forum im Maternushaus, wie nachhaltige Beschaffung in Kitas, Pfarreien und sozialen Einrichtungen konkret gelingen kann – von Textilien über Green IT bis Ernährung. Unter dem Motto „Wende im Warenkorb – vom guten Willen zur guten Praxis“ beschäftigten sie sich damit, wie nachhaltige Beschaffung in Kitas, sozialen Einrichtungen, Pfarreien und Diensten konkret umgesetzt werden kann. Veranstalter waren erneut der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln und der Fachbereich Schöpfungsverantwortung im Erzbistum Köln.

Etwa 130 angemeldete Teilnehmende trafen auf ein Dutzend Referentinnen und Referenten, über 20 Fachkolleginnen und -kollegen aus Erzbistum und Diözesan-Caritasverband sowie ausgewählte Aussteller rund um das Thema nachhaltige Beschaffung für Wohlfahrt und Kirche.

Großer Hebel: Einkauf prägt Klimabilanz

Welche Rolle der Einkauf für den Klimaschutz in der Wohlfahrt spielt, zeigte ein Blick in die Treibhausgasbilanz eines großen Caritas-Komplexverbandes mit Kitas und stationären Einrichtungen: Knapp ein Drittel der Klimawirkung entfällt auf den Einkauf von Waren und Dienstleistungen – also auf den sogenannten Scope 3.1, ohne Strom und Wärme. Insgesamt liegen 86 Prozent der Emissionen im Bereich Scope 3, davon 35 Prozent allein bei Scope 3.1. Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette, Scope 3.1 speziell die Emissionen aus der Herstellung eingekaufter Waren und Dienstleistungen.

„Das zeigt, wie groß der Hebel ist, wenn wir Beschaffung nachhaltig denken und umsetzen“, begründet Dr. Christian Weingarten, Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln. „Jeder Rahmenvertrag, jede Ausschreibung, jede einzelne Bestellung kann ein Schritt in Richtung Klimaschutz und sozial gerechter Transformation sein.“

„Unsere Einrichtungen kaufen tagtäglich für Kitas, Beratungsstellen, Pflegeheime oder Verwaltung ein. Wenn wir diesen Einkauf sozial gerecht, klimafreundlich und ressourcenschonend gestalten, leisten wir einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz – und setzen als Kirche und Wohlfahrt ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir es mit der Schöpfungsverantwortung ernst meinen“, erklärt Dr. Vera Bünnagel, Klimaschutzbeauftragte der Caritas.

Keynote: „Auch in der Beschaffung Vorbild sein“

Den Auftakt des Forums bildete die Keynote von Ilse Beneke, Leiterin der Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung beim Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern. Unter dem Titel „Nachhaltige Beschaffung – Theorie und Praxis“ zeigt sie, welche rechtlichen Rahmenbedingungen, Instrumente und Beispiele es bereits gibt und wie Einrichtungen der Kirche und Wohlfahrt davon profitieren können.

„Wohlfahrt und Kirchen setzen sich in so vielen Bereichen ihrer Arbeit für Nachhaltigkeitsziele ein. Da ist es wichtig und konsequent, auch in der eigenen Beschaffung Vorbild zu sein!“, betonte Beneke.

Comedy mit Relevanz: Klimaschutz mit Humor

Für einen ungewöhnlichen Blick auf Konsum und Klimaschutz sorgte die Kölner Kabarettistin und Klimaschützerin Anka Zink. In ihrem Programm „Comedy mit Relevanz“ brachte sie Alltagserfahrungen rund um Bestellungen, Lieferketten und Überfluss augenzwinkernd auf den Punkt: „Eine kabarettistische Frage: Warum muss man unbedingt immer Sachen woanders bestellen, die man hier auch nicht braucht?“ Damit lieferte sie einen humorvollen Einstieg in die ernste Frage, welche Produkte wir wirklich brauchen – und wie sie hergestellt, transportiert und entsorgt werden.

Neun Workshops: Von Textilien über Wasser bis Green IT

In neun parallel stattfindenden Workshops ging es um konkrete Handlungsfelder und Instrumente nachhaltiger Beschaffung – von Organisationsregeln über Kreislaufwirtschaft und Kommunikation bis hin zu Textilien, Ernährung, Wasser, Energie und IT. Im Workshop „Nachhaltigkeit als Image- & Wettbewerbsvorteil“ erläuterte Alice Grossrau von der Nachhaltigkeitsberatung Grubengold, wie glaubwürdige Kommunikation ohne Greenwashing-Risiko gelingen kann.

Prof. Dr.-Ing. Nicole Becker von der Jade Hochschule Oldenburg zeigte im Workshop „Wasser: wertvolle Ressource und unterschätzter Kostenfaktor“, wie schon kleine Maßnahmen Wasser sparen und den Weg zu wasser- und klimasensiblen Städten bereiten können.

Am 21.10.2027 wird das fünfte Klimaforum stattfinden.

Weitere Infos finden Sie auch auf der Website: https://klimaforum.koelner-tagung.de

  • Marie-Luise Eberhardt
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