Auslöser ist nicht in erster Linie der Fußball, sondern die internationale Politik: Aussagen, Drohungen und innenpolitische Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump – etwa im Kontext der Migrationspolitik, wirtschaftlicher Strafmaßnahmen gegen europäische Staaten oder seiner Ansprüche auf Grönland – haben in Deutschland eine Diskussion über einen möglichen Boykott ausgelöst.
Den konkreten Anstoß zur Debatte gab ausgerechnet ein führender Funktionär des deutschen Fußballs: Oke Göttlich, seit November 2025 DFB-Vizepräsident und zugleich auch Präsident beim Bundesligisten FC St. Pauli ist, erklärte Ende Januar 2026 öffentlich, man müsse einen Boykott „ernsthaft prüfen“. Hintergrund seien Trumps politische Maßnahmen und außenpolitische Drohungen gegenüber europäischen Partnern, die die ARD-Sportschau in einem Bericht präzisierte. Es gehe um „Trumps Vorgehen gegen Einwanderer, seine Drohungen zur Einnahme Grönlands, zur Annektierung des Co-Gastgebers Kanada oder die fortwährenden Angriffe auf bestehende politische und demokratische Strukturen sowie auf die Freiheit von Wissenschaft, Kultur und Medien.“
In seiner Argumentation für einen Rückzug der deutschen Nationalmannschaft knüpft Oke Göttlich an historische Sportboykotte an: Politischer Druck könne – ähnlich wie beim Olympiaboykott 1980 – ein außenpolitisches Signal senden. Auch auf Fan-Ebene existieren entsprechende Initiativen: Ein deutscher Nationalmannschafts-Fanclub kündigte an, das Turnier vollständig zu boykottieren, weil die US-Migrationspolitik und gewaltsame Maßnahmen von Behörden im Widerspruch zu den „humanitären Werten des Fußballs“ stünden. Eine Online-Petition von Campact erhielt bisher mehr als 150.000 Unterschriften, die sich für einen deutschen WM-Boykott aussprechen.
Internationale NGOs wie Amnesty International, Human Rights Watch und die American Civil Liberties Union (ACLU) fordern zwar bislang keinen expliziten sportlichen Boykott, warnen jedoch vor Polizeirazzien, Festnahmen und Abschiebungen rund um die Stadien aufgrund der harten US-Einwanderungspolitik.
In Deutschland lösten die Boykott-Aufrufe teilweise scharfe Gegenreaktionen aus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) diskutierte das Thema intern, lehnte aber einen Boykott ausdrücklich ab. Zur Begründung hieß es, der Fußball habe eine verbindende globale Funktion; man wolle „die positive Kraft stärken – nicht verhindern“. Der Vorstoß von DFB-Vizepräsident Oke Göttlich wurde von seinen Kollegen als unprofessionell und nicht abgesprochen kritisiert: „Er ist jetzt leider vorgeprescht mit dem Thema“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. „Wir werden das im Präsidium besprechen … Aber ich glaube, nach allem, was ich höre und auch meine persönliche Meinung ist eindeutig, dass diese Debatte jetzt zu Unzeit kommt und auch für uns kein Thema ist.“
Gleiches gilt für den Fußball-Weltverband FIFA. Im Gegenteil: Deren Präsident Gianni Infantino sucht geradezu unterwürfig die Nähe zu US-Präsident Donald Trump. Besonders deutlich wurde dies bei der Gruppenauslosung zur Fußball-WM am 5. Dezember 2025 im Kennedy Center in Washington D.C. Dort wurden die Vorrundengruppen bestimmt und das Turnier symbolisch eröffnet. Tatsächlich entwickelte sich die Veranstaltung jedoch zu einem politisch aufgeladenen Ereignis, weil der amtierende US-Präsident Donald Trump nicht nur als protokollarischer Gastgeber auftrat, sondern eine herausgehobene Rolle erhielt. Er war Ehrengast, wurde von FIFA-Präsident Gianni Infantino öffentlich gewürdigt und sogar mit einem neu geschaffenen „FIFA-Friedenspreis“ ausgezeichnet.
Medien sprachen in diesem Zusammenhang von einer „Trump-Show“, die den Sport überlagerte. In der Tat zeichnete die FIFA nicht die Vereinigten Staaten als Gastgeber aus, sondern explizit den Präsidenten als Person. Damit wurde aus einer staatlichen Repräsentation eine individuelle politische Ehrung. Das widerspricht dem Kern der von der FIFA selbst gesetzten Neutralitätsdoktrin, die verlangt, politische Konfliktlinien nicht über Sportbühnen zu personalisieren.
Die Ehrung von Donald Trump – man kann auch von einer Huldigung sprechen, dauert fast 90 Minuten. Erst danach begann der eigentliche Akt der Auslosungen. Die britische Zeitung »The Telegraph« kommentierte die Veranstaltung so: „Gianni Infantinos erniedrigendes Verhalten vor Donald Trump ist ein neuer Tiefpunkt. Der Fifa-Präsident hat in der Vergangenheit zwar schon so manchen Unsinn im Namen der Redekunst von sich gegeben, aber das hier war etwas ganz anderes.“ Im ZDF, der das Ereignis am 5.12.2025 live übertrug, sprach der Reporter von „Anbiederung“. Deutlicher wurde ein Kollege von der britischen Zeitung »The Mirror«. Die Veranstaltung sei „eine üble Zurschaustellung politischer Speichelleckerei.“
In der deutschen Politiklandschaft stößt der Ruf nach einem WM-Boykott derweil überwiegend auf Ablehnung. Entsprechend äußerten sich bereits Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt meinte, Sport solle nicht politisiert werden, und der CDU-Politiker Christoph Ploß nannte den Vorschlag sogar eine „Schnapsidee“.
Gegner eines Boykotts führen teils pragmatische, teils grundsätzliche Argumente an:
- Ein Boykott träfe nicht die US-Regierung, sondern Spieler, Fans und den internationalen Sportbetrieb.
- Viele bezweifeln, dass der Verzicht einer einzelnen Nation außenpolitischen Druck erzeugt – insbesondere gegenüber einer Supermacht.
- Ein Boykott könnte sportliche Chancen zerstören, Fans benachteiligen und erhebliche wirtschaftliche Schäden sowie internationale Konflikte verursachen (etwa mit Sponsoren oder der FIFA).
- Als weiteres Argument gegen einen WM-Boykott wird darauf verwiesen, dass Deutschland auch bei anderen politisch umstrittenen Gastgebern – etwa Russland 2018 oder Katar 2022 – teilgenommen habe; eine selektive Moralpolitik sei daher inkonsequent.
(Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt)

