Wo ist der Himmel?


INFO: Der Himmel ist in vielen Religionen eine Sphäre, die nicht räumlich zu verstehen ist, sondern Ausdruck für den Ort, an dem übernatürliche Wesen oder Götter beheimatet sind. Im Neuen Testament der Bibel wird der Himmel gleichbedeutend mit dem „Reich Gottes“ beschrieben. „Nach traditioneller Vorstellung ist der Himmel die Sphäre Gottes jenseits und außerhalb der bekannten Welt. Nach heutiger Vorstellung ist der Himmel kein Ort, sondern ein Zustand, bei dem ein verstorbener Mensch unverstellt und ungehindert mit Gott eins ist. „Jenseits“ oder „Transzendenz“ bezeichnet eben diesen Zustand, der unserer menschlichen Erfahrung unzugänglich ist, solange wir leben. Der Himmel ist damit weder ein bestimmter Ort im Jenseits noch ein Zustand der ewigen Ruhe. Den Gegensatz zum Himmel, einen Zustand der unauflösbaren Gottesferne, bildet die Hölle“ – so heißt es kurz und knapp zum Thema auf Katholisch.de. Nach Matthäus 28,18 EU ist Jesus alle Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben. Somit spricht Matthäus in Mt 13,41 EU; Mt 16,28 EU und Mt 20,21 EU vom Reich des Menschensohnes. Eine spezifische Himmelsvorstellung liefert die Offenbarung des Johannes mit dem Motiv des Himmlischen Jerusalems, das an die im Buch Ezechiel des Alten Testaments geschilderte Vision von einem wiedererrichteten, endzeitlichen Jerusalem anknüpft.

Ausdrücklich vom Himmel die Rede ist bei der Himmelfahrt Jesu: Sie gilt nach dem Katechismus der katholischen Kirche als der endgültige „Eintritt seiner menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit“. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „(…) am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. (…)“ In der frühen Christenheit war das Gedächtnis an die Himmelfahrt Jesu zunächst mit dem Pfingstfest verbunden und kann seit 370 als eigenständiges Fest vierzig Tage nach Ostern nachgewiesen werden. Die Himmelfahrt des auferstandenen Jesus gehört zum Urbestand des christlichen Glaubens. „Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“ (Lk 24,51), schreibt der Evangelist Lukas (Lk 24,50–52). Direkt zum Anfang der Apostelgeschichte heißt es im 1. Kapitel:

„Lieber Theophilus! In meinem ersten Bericht habe ich von allem geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat; und zwar von Anfang an bis zu seiner Rückkehr zu Gott. Bevor aber Jesus in den Himmel aufgenommen wurde, hatte ihm der Heilige Geist gezeigt, welche Männer er als seine Apostel berufen sollte. Ihnen gab er genaue Anweisungen für die Zukunft. Diesen Männern hat er sich auch nach seinem Leiden und Sterben gezeigt und damit bewiesen, dass er tatsächlich auferstanden ist. Vierzig Tage lang sahen sie ihn, und er sprach mit ihnen über das Reich Gottes.

An einem dieser Tage befahl Jesus seinen Jüngern: „Verlasst Jerusalem nicht! Bleibt so lange hier, bis in Erfüllung gegangen ist, was euch der Vater durch mich versprochen hat. Johannes taufte mit Wasser; ihr aber werdet bald mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: „Herr, wirst du jetzt Israel wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?“ Darauf antwortete Jesus: „Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater bestimmt. Das ist nicht eure Sache. Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde.“

Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr. Noch während sie überrascht nach oben blickten, standen auf einmal zwei weißgekleidete Männer bei ihnen. „Ihr Galiläer“, sprachen sie die Jünger an, „was steht ihr hier und seht zum Himmel? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen; aber eines Tages wird er genauso zurückkehren.“

Unser Gesprächspartner: Heino Falcke, Astrophysiker, Radioastronom und bekennender Christ, geboren 1966 in Köln, ist Professor an der Radboud-Universität Nijmegen. Nach Physikstudium und Promotion an den Universitäten Köln und Bonn arbeitete er als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) und kam über Stationen in den USA als Professor an die Universität Bonn und ab 2007 an der Radboud-Universität Nijmegen. Seine mit einem die Erde umspannenden Radioteleskopnetzwerk unternommenen Forschungen zu Schwarzen Löchern, die er 2019 mit einem Bild zeigen konnte, veröffentlichte er 2020 in einem populärwissenschaftlichen Buch (Licht im Dunkeln: Schwarze Löcher, das Universum und wir). Falcke ist Prädikant der Evangelischen Kirche im Rheinland und hält Gottesdienste in der Evangelischen Kirche Frechen.

Das Fest Fronleichnam

Immer am 2. Donnerstag nach Pfingsten wird in der römisch-katholischen Kirche das Fest Fronleichnam gefeiert. Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie in ausgewählten Gemeinden in Sachsen und Thüringen. Der Name klingt morbide, aber mit Sterben und Tod hat dieser Tag rein gar nichts zu tun – ganz im Gegenteil. Das Fest geht zurück auf eine Vision der später heiliggesprochenen Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahre 1209. Sie habe, so wird berichtet, beim Beten den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt gewesen sei. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond die Kirche bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Eucharistie-Sakraments. Das Wort Fronleichnam leitet sich ab aus dem Althochdeutschen „vron“ für „Herr“ und „licham“ für „Leib“ und bedeutet übersetzt so viel wie „Fest des Leibes und Blutes Christi“. Es erinnert an die Einsetzung des Altarsakraments durch Jesus selbst (Brot und Wein bei der Abendmahls- bzw. Eucharistiefeier) und wurde zum ersten Mal im Jahr 1246 im Bistum Lüttich gefeiert. Papst Urban IV. führte es 1264 als allgemeines Kirchenfest ein, 1317 legte Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag fest.

Zur Fronleichnams-Feier gehört bis heute eine Prozession, bei der die Gläubigen hinter der Monstranz herziehen, die als Symbol für den Leib Christi eine geweihte Hostie enthält. In dieser Art wurde das Fest erstmals 1279 in Köln begangen. Im Mittelalter wurde der Feiertag später zunehmend dazu genutzt, um zusätzliche Ablassgelder zu gewinnen. Nicht zuletzt deshalb war der Reformator Martin Luther ein ausdrücklicher Gegner des Fronleichnamsfestes: Er bezeichnete es 1527 als das „schädlichste aller Feste“ und betrachtete die Prozessionen als unbiblisch und als Gotteslästerung. Nach dem Konzil von Trient (1545 und 1563) gewann das Fest als „antiprotestantische Demonstration“ an Bedeutung, wurde im Barock zunehmend prunkvoller und nach dem von Preußen ausgehenden Kulturkampf zur Demonstration der katholischen Sammlung und Stärke. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus erfuhren die Prozessionen eine zusätzliche politische Bedeutung. Heute wirken nicht selten evangelische Pastoren in Amtstracht bei der Fronleichnamsfeier mit: Mit Blick auf die traditionellen Fronleichnamsprozessionen eint katholische und evangelische Christen das biblische Bild vom „wandernden Gottesvolk“, dessen Mitte Christus als das „Brot des Lebens“ ist. In der Orthodoxen Kirche ist die Zurschaustellung des eucharistischen Brotes dagegen unbekannt. Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag überwiegend katholischen Gegenden – in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, aber auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern, Hessen, im Saarland sowie teilweise in Sachsen und Thüringen.

Fronleichnam in Köln: Die Prozession ist besonders traditionsreich in Köln: Hier begleiten heute bei der „Mülheimer Gottestracht“ (www.muelheimer-gottestracht.de ) auch mehr als 100 Boote das große Schiff mit dem Allerheiligsten auf dem Rhein. Eingeladen wird neben der Prozession auch zum Katholischen Festival „kommt & seht“: In Workshops, Denkanstößen, Gebetszeiten, Stille und rheinischer Lebensfreude soll die Eucharistie als Quelle der Einheit erfahren werden. „In der Eucharistie ist Jesus Christus selbst anwesend. Vor ihm verlieren Unterschiede ihr Gewicht. Hier wird aus Fremdheit Nähe, aus Misstrauen Vertrauen, aus vielen ein Leib. Deshalb steht Die Eucharistie als Quelle unserer Einheit im Mittelpunkt von kommt & seht 2026“, so die Veranstalter: „Gemeinsam möchten wir uns auf den Weg zum großen Jubiläum 2029 machen, wenn wir 750 Jahre Fronleichnamsprozession in Köln feiern. Spätestens seit 1279 – und damit als weltweit erste – bekennen die Kölner in der Fronleichnamsprozession ihren Glauben: Jesus Christus gegenwärtig im Sakrament der Eucharistie. Vermutlich zwischen 1264 und 1278 fand die erste Fronleichnamsprozession in der Kölner Kirche St. Gereon statt. Das genaue Jahr ist nicht überliefert, aber ab 1279 ist sicher von einer Prozession auszugehen. Damit ist diese die erste Fronleichnamsprozession weltweit“.

Speaker & Musik: Fr. Peter Wojcik: Mit einer klaren Vision hin zu einer Kultur der Einheit und des Wachstums in der Pfarrei; Clara von Nathusius: Die Kirche verliert nicht den Glaube – sie verliert die Menschen. Zeit für weniger Betrieb und mehr Zuhause; Stefan Wißkirchen: Wenn das Zerbrochene zusammenfindet: Eucharistie als Geheimnis der Nähe und Ursprung gelebter Einheit; Otto Neubauer: Eucharistie – das Herz, das eine zerrissene Welt sammelt: Karolina Plichta: Vom Waisenkind der Angst zum Kind Gottes; Rainer Maria Kard. Woelki: Abschlusskeynote; Koenige & Priester: Worshipkonzert – Das Beste kommt morgen.

Kontakt: Erzbistum Köln, Generalvikariat, Marzellenstraße 32, 50668 Köln, Marzellenstr. 32, 50668 Köln​, kommtundseht@erzbistum-koeln.de, Tel. +49 1719161516, Internet: www.kommtundseht.com/

 

  • 03.06.2026
  • Niklas Lünebach
  • Red
Wo ist der Himmel?
  • Wo ist der Himmel?