INFO: Jedes Jahr pilgern einige hundert Mucher aus dem Nordteil des Rhein-Sieg-Kreises rund um das Fest Mariä Heimsuchung zu Fuß in das 150 Kilometer entfernte Werl, um in der dortigen Wallfahrtsbasilika vor dem Gnadenbild zu beten. Der Wallfahrtsbrauch geht auf ein Gelübde aus dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Über den Ursprung der Mucher Werl-Wallfahrt berichtet die Pfarrchronik der dortigen Kirchengemeinde:
„Im Jahre 1774 soll in hiesiger Gegend eine Viehseuche geherrscht haben, die nach damaliger Ansicht nur mit Salz bekämpft werden konnte. So zogen (…) Mucher Bauern nach Werl, um sich dort das kostbare Salz zu holen. Hier besuchten sie auch das Gnadenbild ‚die Trösterin der Betrübten‘ und gelobten für sich und ihre Nachkommen, jedes am Sonntag nach ‚Mariä Heimsuchung‘ nach Werl zu pilgern, sofern ihnen geholfen würde. Ihr Wunsch muss erhört worden sein, denn ab 1775 zogen (…) die Mucher in geschlossener Prozession zu Fuß nach Werl und zurück.“
Mucher Werl-Wallfahrt 2026
Wenn es Dir guttut – dann komm!“ – so lautet das diesjährige Leitwort des Wallfahrtsjahres in bzw. nach Werl. Am Donnerstag, 2. Juli, machen sich rund 100 Pilger und Pilgerinnen nach Anmeldung über die Website https://www.wallfahrt-much-werl.de/ nun zum 252. Mal auf den Weg. Unterbrochen wurde die Wallfahrt nur zu Zeiten des Krieges.
Die diesjährige Wallfahrt beginnt mit dem Gottesdienst um 6.00 Uhr in St. Martinus Much. Am Samstag, 4. Juli, werden die Wallfahrer dann pünktlich um 18.00 Uhr unter den Klängen des vom Mucher Bläsercorps gespielten Chorals „Tochter Zion“ in die Werler Basilika einziehen und auf die Mitpilger der anderen Gemeinden und insbesondere auch auf viele Mucher treffen, die mit dem Bus angereist sind. Wie immer geht es dann nach einem Tag Ruhe am Montag zurück nach Much. Hier werden die Pilger am Mittwoch gegen 18.30 Uhr an der Kirche erwartet. Alle Freunde und Interessierten sind wie immer zu den Empfängen in Werl und in Much eingeladen. Pilger und Pilgerinnen, die mit dem Bus nach Werl fahren möchten, können sich dazu noch bis zum 3. Juli anmelden. Interessierte wenden sich dazu bitte ans Pfarrbüro Much. Die Hinfahrt startet am Samstag, 4. Juli, um 9.30 Uhr am Mucher Pfarrheim in der Klosterstraße, die Rückfahrt in Werl um 20.30 Uhr. Der Kostenbeitrag beträgt 20€. Für alle Daheimgebliebenen liegt auch in diesem Jahr die Broschüre „Mutter Gottes, wir rufen zu Dir – unterwegs und zu Hause“ in den Kirchen aus. Zudem werden in der Wellerscheider Kirche besondere Andachten zur Wallfahrt angeboten. Diese finden Montag, 6.7. und Dienstag, 7.7., jeweils um 9.00 Uhr und am Mittwoch, 8.7., um 16.00 Uhr statt.
Die ausführlichen Beschreibung der Wegstrecke von 125,9 km und gpx-Daten auf komoot: 1. Tag (komoot) , 2. Tag (komoot), 3. Tag (komoot). Weitere Informationen auf der Homepage: www.wallfahrt-much-werl.de .
Wallfahrtsstätte Werl: Werl im Erzbistum Paderborn ist mit jährlich rund 100.000 Pilgern einer der nach Altötting und Kevelaer drittgrößte Marienwallfahrtsort in Deutschland. Ziel der Wallfahrt ist das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“. 1661 gelangte das aus dem 11. Jahrhundert stammende Gnadenbild nach Werl, das zuvor in der Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden war. Die seit 1645 in Werl ansässigen Kapuziner übernahmen die Organisation der Wallfahrt zur Werler Madonna, die wohl im Rheinland entstanden ist und zu den schönsten Mariendarstellungen Europas zählt: Maria thront auf einem Ringpfostenstuhl und trägt das Jesuskind auf ihren Knien, der zugleich als Weltenrichter erscheint. Sie selbst hält einen Granatapfel in der rechten Hand, der als Symbol der Fruchtbarkeit und der Kirche gilt. 1834 wurden die Kapuziner durch die preußische Regierung vertreiben und das Kloster aufgelöst. 1849 gründeten die Franziskaner ein neues Kloster und mussten es im Kulturkampf zwischenzeitlich – von 1875 bis 1887 – ebenfalls verlassen. Das Gnadenbild in der zwischen 1903 und 1906 erbauten neuromanische Wallfahrtskirche wurde unter Papst Pius X. 1911 erstmals gekrönt, seitdem trägt Maria die Krone zu hohen Feiertagen. 1962 errichteten die Franziskaner mit ihrem Missions- und Völkerkundemuseum „Forum der Völker“ zählt rund 15.000 Exponate und ist das größte Haus seiner Art in Nordrhein-Westfalen. In der Wallfahrtszeit kommen jährlich vom 1. Mai bis Allerheiligen am 1. November weit über 100.000 Pilger nach Werl. Zum 350-jährigen Jubiläum 2011 verzeichnete der Wallfahrtsort rund 200.000 Besucher. 2019 verließen die Franziskaner wegen Nachwuchsmangels den Wallfahrtsort Werl und ihr Kloster. Seitdem kümmern sich Seelsorgende des Erzbistums Paderborn um die Wallfahrt rund um das Gnadenbild.
Kontakt: Marienwallfahrt Werl, Walburgisstraße 41, 59457 Werl, Tel. 02922 / 9820, E-Mail: pilgerbuero@wallfahrt-werl.de, Internet: https://wallfahrt-werl.de/
Wallfahrtsland NRW: In Nordrhein-Westfalen gibt es mit über 50 Wallfahrtsorten die meisten in ganz Deutschland. So kennt allein das Bistum Münster 28 große und kleine Wallfahrtsorte, zu denen rund 1,5 Millionen Christen jährlich aufbrechen: Zu den meist besuchten zählen nach Kevelaer die Marienwallfahrtsorte Telgte, Bethen bei Cloppenburg und Eggerode bei Schöppingen, Haltern mit dem Annaberg, der Kreuzwallfahrtsort Stromberg bei Oelde, Warendorf, Herzfeld bei Lippetal, Xanten-Marienbaum und Kranenburg. In Kevelaer zählen die Wallfahrt der Motorradfahrer sowie im August die Wallfahrt der Tamilen und die Bocholter Fußwallfahrt zu den größten Ereignissen im Pilgerjahr. Nicht nur Westfalen, auch das Rheinland ist reich an jahrhundertealten Pilgerorten. Wer hier pilgern möchte, findet zahlreiche Anregungen in einem 2019 erschienenen Buch von Walter Töpner: „Pilgerland Rheinland, Wege und Wallfahrtsorte, 288 Seiten, Verlag: Edition Lempertz, Bonn 2019, ISBN-13: 9783960583264, ISBN-10: 3960583265. Online-Pilgerportal für das Rheinland: Ein neues digitales Pilgerportal informiert über Pilgerwege im Rheinland. Unter www.rheinland-pilgern.de (www.rheinland-pilgern.de ) sind mehr als 3.000 Orte sowie 176 Touren mit insgesamt rund 6.000 Kilometern durch das Rheinland zu finden.

