Der Beitrag zum Nachlesen:
„Dürfen wir hier übernachten?“ Diese Frage richtet eine junge Sami in Norwegen an die Mutter Natur. Sie ist Rentierhirtin und erzählt mir von ihren Wegen mit den Tieren. Wenn sie unterwegs sind und abends eine Hütte zum Übernachten aufsuchen, bitten die Hirten die Natur um Erlaubnis, an diesem Ort bleiben zu dürfen.
Das hat mich sehr beeindruckt. Nicht einfach nehmen. Nicht einfach betreten. Sondern innehalten und fragen: Dürfen wir hier sein?
Auch bei einem indigenen Volk in Argentinien begegnet mir etwas Ähnliches. Bevor sie den Wald betreten, legen sie ihre Hand an einen Baum, hören – und bitten um Erlaubnis.
Was für ein wunderbarer Respekt. Eine tiefe Achtung vor der Natur. Für mich ist sie Gottes Schöpfung. Und vielleicht steckt darin eine Haltung, die uns manchmal verloren geht. Uns gehört die Erde nicht. Wir beherrschen sie nicht. Wir sind Teil von ihr. Und wir leben von ihr. Von den Bäumen, vom Wasser, von der Erde, von den Tieren.
Die Natur ist unsere Lebensgrundlage. Vielleicht sollten auch wir manchmal innehalten, bevor wir etwas nehmen oder betreten – wie die Sami-Rentierhirtin. Und fragen: Dürfen wir hier sein? Für mich ist das eine Form von Dankbarkeit. Ich lerne, Gottes Schöpfung mit neuen Augen zu sehen.
Katrin Schirmer, von der Evangelischen Kirche für „Augenblick mal!“
